Gold im Dressurreiten : Team Deutschland: Geschichte wird gemacht

Beim Dressurreiten holt Team Deutschland Gold – und Isabell Werth verewigt sich endgültig.

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Da ist das Ding. Deutschlands Dressurreiter präsentieren stolz die Goldmedaillen.
Da ist das Ding. Deutschlands Dressurreiter präsentieren stolz die Goldmedaillen.Foto: dpa

Die Geste von Isabell Werth war eindeutig. Von tief unten nach ganz weit oben sauste die geballte rechte Faust der 47-jährigen Dressurreiterin, als ihr Ritt im Grand Prix Special beendet war. Zwar hatte nach ihr noch die Britin Charlotte Dujardin, Top-Favoritin auf das Einzel-Gold, ihren Job zu erledigen. Doch mit dem souveränen Auftritt von Werth mit ihrer zehnjährigen Stute Weihegold stand der Sieg der deutschen Equipe im Grunde fest. Neun Minuten später, als Dujardin ihrem Pferd Valegro mit recht neutraler Miene den Hals tätschelte, durften die deutschen Dressurreiter dann auch offiziell jubeln: Nach Silber in London hatte sie nun die güldene Plakette abbekommen. Vor Großbritannien.

Für Isabell Werth war es das fünfte Mannschafts-Gold bei Olympischen Spielen, dazu kommt ihr Einzelerfolg 1996 in Atlanta. Mit sechs Olympia-Siegen hat sie Dressur-Legende Reiner Klimke überholt und ist seit gestern erfolgreichste Reiterin der Olympia-Geschichte. Augenzeugen dieser historischen Fußnote wurden auch einige Brasilianer.

Als glühende Anhänger des Dressursports werden die Gastgeber dieser Spiele allerdings nicht in die Annalen eingehen. Die blauen und grünen Sitzschalen in der Reitanlage in Deodoro waren am Freitag bemitleidenswert dünn besetzt – trotz des schönen Wetters im Nordwesten der Olympiastad.

Sönke Rothenberger hingegen dürfte die überschaubare Stimmung gelegen gekommen sein. „Ich fand die Stimmung sehr gut, besser vor allem als gestern bei dem Regen. Ich hoffe aber schon, dass es zur Kür noch ein bisschen voller ist", sagte der 21-Jährige mit einem kurzen Blick über die Schulter. Der einzige Olympiadebütant in der deutschen Equipe musste mit seinem Pferd zunächst in die ungewohnte Atmosphäre hinein schnuppern. „Für Cosmo ist es das erste Mal in einer so großen Arena“, sagte Rothenberger. Im Grand Prix am Mittwoch vermied er deshalb jedes Risiko, ritt eine sichere Runde und sorgte mit dem guten Start für große Erleichterung im Team.

Beim Mannschaftsfinale ging er als erster deutscher Reiter ins Viereck. Nach absolviertem Tagwerk war er nicht mehr ganz so zufrieden wie zwei Tage zuvor. „Wir haben überragend angefangen. Aber beim Galopp haben sich doch ein paar Fehler eingeschlichen. Das ist ärgerlich, ich hätte gerne noch ein Schippchen drauf gelegt", sagte Rothenberger.

Die linke Hand mit dem weißen Handschuh auf einen Gitterzaun gelegt, verfolgte Rothenberger anschließend den Ritt von Mitstreiterin Dorothee Schneider. Wie schon im Grand Prix zeigte die Frau aus dem rheinland-pfälzischen Framersheim auch im Special eine ansprechende Leistung. „Ich bin glücklich, dass sie noch mal so eine Runde hingelegt hat“, sagte Rothenberger erleichtert. „ Wir kommen der Sache immer näher.“

Der Sache – dem Mannschafts-Gold. Schneider mit Showtime hatte für den nächsten Riesenschub hin zu dem großen Ziel gesorgt. Nur bei der zweiten Pirouette kam ihr zehnjähriger Wallach Showtime nicht ganz herum, überzeugte dafür aber einmal mehr mit einer glänzenden Schlussrunde. „Das war grandios. Das Pferd war immer bei mir. Es war wach, die Ohren waren vorne. Wenn so viel Talent, vielleicht ein bisschen gute Reiterei und sieben Jahre Zusammenarbeit zusammenkommen, ist das einfach etwas Besonderes“, schwärmte Schneider.

„Es ist alles leicht, ich muss nie Druck machen. So etwas ergreift mich immer noch“, sagte die 47-Jährige mit der Überzeugung: „Tina rockt das jetzt.“ Tina – das war Kristina Bröring-Sprehe, die nach dem Grand Prix in der Einzelwertung an Platz zwei hinter Dujardin und Teamkollegin Schneider lag. Als die 29-Jährige ihren Beitrag im Viereck geleistet hatte wurde das Grinsen auf den Gesichtern der Deutschen noch ein bisschen breiter als ohnehin schon. Nach Isabell Werths Auftritt brach dann Jubel aus. Andreas Morbach

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