Sport : Gold, Silber, Bronze und teure Vasen

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Von Frank Bachner

Berlin. Links und rechts stand in Vitrinen feinstes Porzellan, der Raum, in dem Harm Beyer hinter einem Mikrofon saß, war in einem Haus mit bester Kudamm-Adresse; in diese Umgebung passten natürlich große Worte. Solche zum Beispiel: „Wir werden ausgezeichnete Europameisterschaften erleben“, oder: „Das wird ein dolles Ding.“ Wenn’s nicht doll und ausgezeichnet würde, stünde ja auch Harm Beyer etwas dumm da, er ist schließlich der Cheforganisator der Schwimm-EM, die am 25. Juli in Berlin beginnt und bis zum 4. August dauert. Wobei Berlin nicht ganz korrekt ist. Das Langstrecken-Schwimmen wird in Potsdam , im Templiner See, ausgetragen (der Eintritt ist im Übrigen frei). Synchronschwimmen, Kunst- und Turmspringen sowie die übrigen Schwimm-Wettbewerbe finden dagegen in der neuen Schwimmhalle an der Landsberger Allee statt.

Es ist ja nur auf dem Papier eine Halle, in Wirklichkeit, verkündete Beyer, „ist es ein Schwimmstadion“. Jedenfalls werden die Zuschauer auf fünf Anzeigetafeln informiert, das ist natürlich schon etwas Besonderes. Und es wird wohl mehr Showelemente geben als üblich bei Europameisterschaften.

Auf diesen fünf Anzeigetafeln werden 24 deutsche Medaillenerfolge allein im Schwimmen dokumentiert. Zumindest hält der Cheftrainer der deutschen Schwimmer, Ralf Beckmann, diese Zahl „für realistisch. Acht Gold, acht Silber, acht Bronze.“ 20 müssen es „mindestens werden, sonst verlieren wir unsere Rolle als stärkste Schwimm-Nation in Europa“. Die hat sich der Deutsche Schwimmverband (DSV) bei der WM 2001 hart erkämpft. Dort entpuppte sich das deutsche Team als stärkste europäische Mannschaft, „und diese Position werden wir freiwillig nicht hergeben“, sagt Beckmann.

Im Mittelpunkt des Interesses steht, natürlich, Franziska van Almsick. Die Weltrekordlerin hat sich auf ihrer Spezialstrecke 200 m Freistil mit einer sensationell guten Zeit in die absolute Weltspitze zurückgemeldet und gehört zu den Medaillenkandidaten. Zu den größten Hoffnungen von Beckmann zählt auch Kurzbahn-Weltrekordler Thomas Rupprath, der endlich auch auf der 50-m-Bahn einen internationalen Erfolg erreichen möchte. Drei weitere potenzielle Medaillen verpasst der DSV freilich durch den Zeitplan. Rupprath, die Freistil- und Rückenspezialistin Sandra Völker und die Weltklasse-Lagenschwimmerin Nicole Hetzer müssen auf Strecken verzichten, weil die Erholungspausen zu gering wären. Die deutschen Wasserspringer wollen rund zehn Medaillen zur DSV-Bilanz beisteuern. „In allen zehn Disziplinen sind Medaillen drin“, sagte Gerd Völker, der stellvertretende Fachwart Springen.

Rund 1000 Athleten aus 39 Ländern werden antreten, in 18 Länder werden die Wettkämpfe ausgestrahlt. Der Etat liegt bei knapp zwei Millionen Euro (nicht zwei Millionen Mark, wie Beyer verkündete), davon steuert die Stadt Berlin rund 900 000 Euro bei. Ein edles Porzellan-Unternehmen überweist ebenfalls eine bestimmte Summe. Die Firma wurde für die EM als Sponsor gewonnen, dafür durfte sie gleich die erste EM-Pressekonferenz ausrichten. Und später erhält jeder Europameister von ihr eine Vase. Zumindest die Frauen können damit viel anfangen.

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