Sport : Gold vor dem Start

Robert Ide

Heute könnte Thomas Bach die zweite Goldmedaille an einen deutschen Teilnehmer der Winterspiele überreichen. Beim Biathlon- Rennen über 20 Kilometer haben die Athleten aus Ruhpolding und Schmalkalden Siegchancen, und Bach ist vom Internationalen Olympischen Komitee für die Siegerehrung ausgewählt worden. Der ehemalige Fechter aus Tauberbischofsheim hat bereits vor der Eröffnungsfeier das erste Gold für Deutschland geholt. Seine überraschend eindeutige Wahl zum IOC-Vizepräsidenten verschafft der deutschen Sportpolitik, die sich zuletzt im eigenen Organisationschaos verhakt hat, einen lang ersehnten Erfolg.

Bach hat nun beste Chancen, den IOC-Präsidenten Jacques Rogge nach dessen Abtritt 2009 oder – was wahrscheinlicher ist – 2013 zu beerben. Damit könnte ein Deutscher einen in der internationalen Politik geschätzten Posten besetzen. Bach ist ein geschickter Taktierer in eigener Sache mit exzellenten Kontakten. Einst ging er mit Gerhard Schröder auf Auslandsreisen, vor kurzem hat ihm Angela Merkel in aller Stille einen Termin im Kanzleramt gewährt. Bach hat es geschafft, sich selbst wichtig zu machen.

Die Wahl wirft allerdings auch ein Schlaglicht auf die Schwäche der deutschen Sportverbände. Zunächst mussten sie sich selbst monatelang zur längst fälligen Verwaltungsreform überreden. Nun hat der fusionierte Verband ein Personalproblem. Denn dass sich Bach noch um nationalen Ruhm bemühen wird, ist seit seinem Sieg in Turin unwahrscheinlich. Und weitere Siegkandidaten hat die deutsche Sportpolitik derzeit nicht zu bieten.

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