Sport : Goleo darf immer rein

Und wie kommen Fans an Eintrittskarten für die Fußball-WM 2006? Der Tagesspiegel beantwortet wichtige Fragen zum Verkaufsstart

André Görke,Robert Ide

Wann beginnt der Verkauf?

Wer eine Eintrittskarte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 kaufen will, kann diese ab Dienstag, den 1. Februar, auf der Internetseite www.fifaworldcup.com bestellen. Die Uhrzeit ist noch geheim, aber es läuft darauf hinaus, dass um Mitternacht die Internetseite freigeschaltet wird, auf der die Fans ihre persönlichen Daten eingeben und ihre Registrierung abschicken können. Dazu gehören die Angabe des Namens, der Adresse und eventuell der Ausweisnummer. Der Fußball-Weltverband Fifa will Gleichberechtigung für alle Menschen auf der Welt – deshalb hat er das Internet gewählt. Es soll vor allem für deutsche Kunden auch einen Fax-Abruf geben. An normalen Konzertkassen sind keine WM-Karten erhältlich.

Wie lange können Tickets bestellt werden?

Es geht nicht nach Schnelligkeit. Die Fifa wird acht Wochen lang Anträge annehmen und alle Anfragen sammeln. Dubletten werden automatisch aussortiert. Anschließend werden Mitte April unter allen Bewerbern die Karten verlost. Die Gewinner werden benachrichtigt. WM-Organisationschef Franz Beckenbauer gibt zu: „Wir wissen, dass wir viele enttäuschen müssen.“

Wie viele Eintrittskarten gibt es?

Offiziell sprechen die Verantwortlichen von 3,2 Millionen Tickets, manche nur von drei Millionen. Die Karten verkauft das deutsche Unternehmen CTS Eventim, der größte Ticketvermarkter in Europa. Fest steht: Die Nachfrage kann das Unternehmen nicht decken, denn die Verkäufer rechnen mit 30 Millionen Interessenten. „Jeder Zehnte gewinnt“, sagt der Chef von CTS, Klaus-Peter Schulenberg.

Kommen alle Karten in den freien Verkauf?

Nein. Denn von den gut drei Millionen Tickets müssen Vip-Karten (450 000), Karten für die internationalen und nationalen Fußballverbände sowie für Sponsoren und die so genannte Fifa-Familie abgezogen werden. Außerdem werden je acht Prozent für die teilnehmenden Mannschaften und deren Fans zurückgehalten. 150 000 Tickets sollen an Reiseunternehmen vergeben werden. Wegen der Kontingente, sagen Insider, werden im Vorverkauf zunächst weniger als eine Million Tickets angeboten. „Es werden sicher noch viele Sponsoren- und Gästekarten zurückgegeben, die dann jeder kaufen kann“, sagt Theo Zwanziger, Vizepräsident des Organisationskomitees.

Gibt es noch weitere Verkaufsphasen?

Am 1. Februar wird nur eine erste Rate angeboten. Hierfür kursiert eine Zahl in Organisationskreisen, die bei 400 000 Eintrittskarten liegt. Eine zweite Verkaufsphase für Tickets soll es im Sommer dieses Jahres geben. Es soll nicht die letzte sein. Details über den genauen Ablauf wollen die Verantwortlichen am 24. Januar verraten. Das Organisationskomitee will dann eine Pressekonferenz in Frankfurt am Main veranstalten.

Wie viele Tickets darf jeder Fan bestellen?

Offiziell gibt es wohl vier WM-Karten pro Haushalt und Spiel – allerdings plant die Fifa, dass von den billigen 35-Euro-Tickets nur jeweils zwei pro Spiel bestellt werden dürfen. Jedes der 64 Spiele darf ein Kunde in der ersten Verkaufsphase nicht bestellen. „Es läuft auf sieben Spiele pro Besteller zu“, sagt ein hochrangiges Mitglied des Organisationskomitees. Deutsche Besteller werden dabei nicht bevorzugt – das untersagen die Richtlinien der EU.

Können Fans Karten für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bestellen?

Nein. Später soll es ein „Follow- your-team“-Ticket geben, mit dem Fans alle Spiele ihrer Lieblingsmannschaft besuchen können. Das gab es schon bei der EM 2004 in Portugal: Kombikarten bis zum Finale kosteten dort 320 Euro. Für die WM kann man ab 1. Februar nur einzelne Spiele buchen, geordnet nach Tag und Stadion. Die deutsche Nationalmannschaft wird etwa das WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 in München bestreiten. Als Kopf der Gruppe A wird das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in der Vorrunde außerdem am 14. Juni in Dortmund und am 20. Juni in Berlin antreten. Die weiteren Begegnungen stehen noch nicht fest. Die Auslosung der Vorrundengruppen findet erst im Dezember dieses Jahres in Leipzig statt.

Was machen die Sponsoren mit ihren Kontingenten?

Die Sponsoren zahlen bis zu 45 Millionen Euro, um mit der WM werben zu dürfen. Im Gegenzug sind sie nicht nur exklusiv in ihrer Branche vertreten und haben eine Werbebande im Stadion – sie bekommen auch Tickets. Die Telekom wird beispielsweise 25 000 Karten erhalten. Diese werden jedoch nicht an die Mitarbeiter verkauft, sondern auch an Kunden und Fans verlost oder mit dem Kauf von Produkten kombiniert. Für das Finale am 9. Juli in Berlin hat die Telekom rund 500 Karten, heißt es im Unternehmen. McDonald’s wird allein in Deutschland 15 000 Tickets verlosen, allerdings auch eine kleine Zahl als Motivation an die besten Mitarbeiter vergeben. Sponsoren haben auch die Möglichkeit, einen Teil ihrer Kontingente zurückzugeben.

Wie viele Plätze besetzen die Medien?

Zur Weltmeisterschaft in Deutschland werden insgesamt 20 000 Medienvertreter erwartet – die sitzen allerdings nicht alle im Stadion. Pro Vorrundenspiel schreibt das Fifa-Pflichtenheft 1000 Plätze vor, für das Finale knapp 3000. In Berlin wird der gesamte Oberring auf der Haupttribüne zur Medientribüne. Den meisten Platz nehmen die vielen hundert Fernsehkommentatoren in Anspruch, denn drei normale Sitzplätze sind ein TV-Pult. Insgesamt fallen so im Berliner Olympiastadion 6000 Sitzplätze weg.

Warum haben die Fußballverbände so viele Karten?

Bei jeder Weltmeisterschaft haben alle 204 Fußball-Verbände ein Anrecht darauf, in ihrem Land Tickets zur Verfügung zu stellen. Die Prozentzahl ist allerdings sehr gering. Erst wenn sich die Mannschaft im Dezember 2005 qualifiziert hat, erhöht sich der Anteil auf acht Prozent für jedes ihrer Spiele.

Bekommt der deutsche Fußball auch Kontingente?

Weil die WM in Deutschland stattfindet, werden die deutschen Fußball-Landesverbände angeschrieben. Die 400 000 Karten, die ihnen nach inoffiziellen Angaben zur Verfügung stehen sollen, richten sich nach der Mitgliederzahl der Landesverbände. Vereinsmitglieder, die eine Karte wollen, müssen sich mit ihren Klubs bei ihrem lokalen Landesverband melden. Die Chancen sind allerdings gering: In Deutschland spielen 6,3 Millionen Menschen organisiert Fußball.

Wie teuer sind die Karten?

Die billigsten kosten 35 Euro pro Spiel, im Finale mindestens 120 Euro (siehe Grafik unten). Die günstigste, vierte Kartenkategorie haben die deutschen Organisatoren um Franz Beckenbauer gegen den Widerstand der Fifa durchgesetzt. „Da haben wir die Hartnäckigkeit von Franz kennengelernt“, gestand Fifa-Präsident Joseph S. Blatter ein. Bei der WM 2002 in Asien lag der Einstiegspreis noch bei 64 Euro. Vergünstigungen für Schüler und Studenten sind nicht vorgesehen. „Ermäßigungen gibt es bei Weltmeisterschaften traditionell nicht“, sagt Organisationssprecher Gerd Graus.

Wie werden die Tickets bezahlt?

In erster Linie wird der Zahlungsverkehr über Kreditkarten abgewickelt. In bar kann man die Karten nicht bezahlen. In Deutschland soll jedoch auch ein Lastschriftverfahren möglich sein.

Gibt es noch Vip-Tickets?

Ja. Allerdings sind die Logen in Berlin, Dortmund, Leipzig und München schon verkauft. Am 1. Februar kommen die billigeren Tickets für Vips auf den Markt, die heißen „Premium“ und „Premier“. Zwei Vorrundenspiele in Hannover oder Leipzig, dazu ein Achtelfinale, ein Parkplatz, Buffet sowie ein Sitzplatz auf der Geraden mit Armlehne - dafür werden 1900 Euro verlangt. Bedingung ist: Der Besteller muss vier Karten kaufen. Wer das Finale in Berlin auf der Vip-Tribüne sehen will, kann nur „Premium“ kaufen – das sind fünf Spiele plus Finale. Preis für vier Karten dieser Kategorie: 48 000 Euro. Inklusive Parkplatz.

Wie sieht ein WM-Ticket aus?

Bislang kursiert in Ticket- und Organisations-Kreisen nur ein Prototyp, der einer Checkkarte aus festem Papier ähnelt. Über das genaue Design wird noch beraten. Es läuft darauf hinaus, dass auf der Rückseite die Sponsoren zu sehen sind. Die Farbe wird vermutlich gelb-grün- beige sein – wie das WM-Logo.

Werden während der WM an den Stadien Restkarten verkauft?

Wahrscheinlich. Wenn Tickets von Sponsoren, Verbänden oder Einzelbestellern zurückgegeben werden, kommen diese noch einmal auf den Markt. CTS Eventim, der Ticketverkäufer, wird mit der Fifa spezielle Verkaufsstände in den Städten und an den Stadien einrichten. Die Fans müssen dann einige Tage vor dem Spiel nach Karten anstehen. Aus Sicherheitsgründen wird es keine Abendkassen an den Spieltagen geben.

Muss ich auch beim Verkauf während der WM meine Daten angeben?

Name und Adresse sind immer Pflicht. Nur wer einen festen Wohnsitz angibt und nicht bei der Polizei als gewalttätig registriert ist, bekommt die Karte. In der Karte ist ein elektronischer Chip integriert, auf dem die persönlichen Daten gespeichert sind.

Wozu gibt es einen Chip in der Karte?

An den Drehkreuzen ist ein Sensor angebracht, der den Chip liest und gefälschte oder bereits eingelöste Karten erkennt. Durch Ausweiskontrollen soll gesichert werden, dass nur der Käufer ins Stadion kommt. „Die Personalisierung der Karten verhindert, dass ein Fan oder Schwarzmarkthändler 200 Tickets anhäuft“, berichten Dienstleister der WM. Natürlich werden die Veranstalter nicht alle kontrollieren können. Das sei eine Illusion, heißt es in der Chip-Branche. Die Organisatoren planen deshalb Stichproben vor den Stadien. Wer ein falsches Ticket hat, kommt nicht ins Stadion.

Wie kommen die Karten zu den Fans?

Die Fifa ist einen Kompromiss eingegangen und hat den Auftrag an DHL vergeben. Die Kurier-Sparte der Post hatte zuvor den Auftrag an die Bahn verloren, den WM-Globus durch Deutschland zu transportieren. Das Verschicken der drei Millionen Tickets in die Welt dürfte eine Art Gegenleistung sein. „Dazu äußern wir uns nicht“, heißt es bei der Post. Mit normalen Briefen kommen die Tickets nicht nach Hause, das ist zu unsicher.

Wann werden die Tickets verschickt?

Aus Sicherheitsgründen erst sechs bis acht Wochen vor der WM. So sollen Fälschungen verhindert werden. Sollte es beim Versand zu unerwarteten Problemen kommen, planen die Organisatoren die Einrichtung von Registrierungsschaltern vor den WM-Stadien.

Wie wird verhindert, dass es in ausverkauften Stadien freie Plätze gibt?

Der elektronische Chip soll eine schnelle Rückgabe ungenutzter Karten ermöglichen. Bei den Weltmeisterschaften 1998 in Frankreich und 2002 in Asien blieben viele Plätze in den Arenen leer, die von Sponsoren oder Fußballverbänden reserviert worden waren, aber nicht genutzt wurden. Zudem wurden Karten, die auf Namen von Fifa-Exekutivmitgliedern registriert waren, zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt angeboten. Diesmal soll es die Möglichkeit geben, Karten schnell abzumelden. Dafür können kurzfristig neue ausgestellt werden.

Wie werden gekaufte Karten wieder zurückgegeben?

Wenn jemand krank wird oder ein bestelltes Spiel doch nicht attraktiv findet, kann er sein Ticket auf einer dafür eingerichteten Internetseite abmelden. Die Daten auf dem Chip werden dann gelöscht. Die Karte ist unbrauchbar. Die Organisatoren stellen eine neue aus – mit neuen persönlichen Daten. Und ein anderer Fan freut sich.

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