Golf : Die Plüsch-Tiger greifen an

Deutschlands bester Golfer Martin Kaymer wird in China gemeinsam mit Superstar Tiger Woods Sechster.

Frank Hollmann[Schanghai]
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Präzision am Abschlag. Martin Kaymer aus Mettmann ist in der Weltspitze der Golfprofis angekommen.Foto: dpa

Manchmal staunt Golfprofi Martin Kaymer über sich selbst. Erst 2005 wurde er Profi, und dass er als bester Neuling der Saison in die Weltelite vorstieß, ist gerade mal zwei Jahre her. Jetzt mit 24 ist er an einem guten Tag sogar besser als Tiger Woods – oder gleich gut. Am vierten Tag der HSBC Champions in Schanghai brauchte Kaymer fünf Schläge weniger für die 18er Runde, in der Endabrechnung lag Kaymer auf Rang sechs mit 276 sogar schlaggleich mit dem Weltranglistenersten. Das Turnier gewann der US-Amerikaner Phil Mickelson mit 271 Schlägen.

Dabei musste er im Spätsommer noch nach einer Fußverletzung, zugezogen auf der Kart-Bahn, mehrere Wochen pausieren. Es läuft gut, freut sich der gebürtige Düsseldorfer über seinen rasanten Aufstieg: „Das war nicht der Plan, dass es so schnell geht . Es ist nicht normal, dass man so schnell auf die European Tour kommt und mit den Weltbesten spielt.“ Dass Kaymer stets in seinem Golfbag einige Tiger mitführt, habe nichts mit dem großen Vorbild aus den USA zu tun: „Die Tiere, die als Schutz über meine Hölzer gestülpt sind, habe ich von meinem Bruder bekommen, als ich mein erstes Profiturnier gespielt hatte.“

Als Glücksbringer haben sich die Plüschtiere bewährt. Dieses Jahr hat Kaymer die Scottish Open und die Open de France gewonnen, ein Lohn für die Schinderei. Über den Winter habe er intensiv in Phoenix gearbeitet, seit zwei Jahren ist dort wegen der „perfekten Trainingsmöglichkeiten“ seine Wahlheimat. Was ihm noch fehle, sei Erfahrung. Die könne man nicht in zwei, drei Jahren als Profi sammeln. Dafür müsse man schon jahrelang auf der Tour spielen, sagt Kaymer.

Bei der ist er schon eine feste Größe. Die Teilnahme als Nachrücker beim Ryder-Cup letztes Jahr sei ein Glücksfall gewesen. Da habe er viele Weltklassespieler auch privat kennen lernen können. Mit Sergio Garcia aus Spanien, Nummer zehn der Weltrangliste, gehe er öfters essen.

Wie es weiter geht? Kaymer hat sich noch nicht entschieden. Sich ganz auf die sportlich wie finanziell lukrative US- Tour zu konzentrieren käme wohl zwei, drei Jahre zu früh, glaubt der beste deutsche Golfer seit Bernhard Langer: „Dieses Jahr habe ich viele Turniere in Amerika gespielt. Aber nur dort kann ich mir noch nicht vorstellen.“

Ein anderes Ziel aber hat Kaymer im Blick. Seitdem klar ist, dass Golf 2016 in Rio de Janeiro wieder olympisch ist, ist Kaymer besonders motiviert: „Für jeden Sportler ist eine Olympiamedaille das Größte, für ihn und sein Land. Oben zu stehen mit der Goldmedaille in der Hand, wäre etwas ganz Besonderes.“

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