Sport : Golfsaison: Traumberuf in der Ferne

Hans Moritz

Kein Klubhaus und auch kein Hotelrestaurant hatte Miriam Nagl gewählt, um 2001 den wichtigsten Schritt in ihrem Leben kundzutun. Im eleganten Wintergarten des Restaurants "Käfer" neben der Kuppel des Reichtags verkündete die 21-Jährige: "Ab sofort bin ich Profi. Mein Beruf ist das Golfspielen." Von ihrem Traum, eine der besten Golferinnen der Welt zu werden, konnte die Berlinerin auch der dornige Weg bis an das ferne Ziel nicht abschrecken. Schließlich hatte sich bis dahin in Deutschland gerade mal ein Quintett junger Damen für diesen Beruf entschieden. Und bei der finanziellen Entlohnung ihrer sportlichen Leistungen ist sie von den Millionen-Gagen der Stars wie Tiger Woods oder Bernhard Langer Lichtjahre entfernt. Kann sich eine Frau vom Golfspielen ernähren? "Sonst hätte ich diese Laufbahn nie eingeschlagen", gibt Miriam Nagl zu Protokoll. Dabei gesteht sie, dass ihr Vater als Sponsor Starthilfe gab, ist aber auf ihre eigene Leistung stolz: "Ich habe im ersten Profijahr über 30 000 Dollar an Preisgeld gewonnen. Damit kann ich die Kosten, die die Tour mit sich bringt, decken." Und das ist nicht wenig. Die Damen bekommen kein Antrittsgeld.

Im Gegenteil: Oft sind Startgelder zu entrichten, Hotel und Flug sowie Lebensunterhalt vor Ort zu bezahlen. Dazu hat die Berlinerin als eine der wenigen Spielerinnen der Tour mit Jeff Snow einen eigenen Caddy, der als Angestellter der 21-Jährigen natürlich auch bezahlt werden will. "Trotzdem: Ich bin überzeugt, dass Miriam mit ihrem ungeheuren Willen den Sprung schafft. Ihr werden Siege auf der Tour gelingen, irgendwann auch die wichtigen in Amerika. Und dann kann sie richtig verdienen. So um die 200 000 Dollar pro Saison traue ich ihr in nicht allzu ferner Zeit zu", sagt Stefan Quirmbach von Miriams heimatlichem Golfclub Semlin, der für die junge Proette auch einige Zeit das Training koordinierte. Die entscheidende Stufe zum ganz großen Absprung traut Quirmbach der Wahl-Amerikanerin schon im nächsten Jahr zu. "Miriam hat derzeit nur eine Conditional LPGA Card. Das heißt: Sie wird nur für die großen Turniere der Damentour eingeladen, wenn die Hauptfelder nicht voll sind. Deswegen muss sie zweigleisig planen. Einmal über viele erfolgreiche Qualifikationen in die Felder kommen oder ihr Geld auf der parallel laufenden Futures-Tour verdienen", erklärt er. Zur vollen Tour-Berechtigung für das kommende Jahr hat Miriam Nagl drei Chancen: ein LPGA-Turnier gewinnen, am Ende der Saison einen der ersten drei Plätze der Futures-Tour belegen oder sich im speziellen Qualifikationsturnier durchsetzen. Das gelang bei ihrem ersten Start im letzten Jahr nicht, aber sie holte eine der 14 Conditional Cards. "Natürlich war ich da enttäuscht", erzählt Miriam Nagl. "Was sie erreicht hat, ist für eine Einsteigerin sensationell", wertet Quirmbach das erste Jahr dennoch positiv. Schließlich hat die Berlinerin mit ihrem Wechsel ins Profilager auch einen Vertrag mit der großen Vermarkterfirma IMG geschlossen. "Davon hat Miriam noch nichts. Aber wenn ihr der erste Turniersieg gelingt, dann wird IMG sofort da sein und sie mit Sponsoren zusammenbringen", erklärt Katharina Quirmbach, die derzeit für das Management und die Öffentlichkeitsarbeit sorgt. 2002 mehr aus der Ferne, denn so richtig Geld verdienen können Profis im Damen-Golf nur in Amerika.

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