Grand Prix in Schanghai : Vettel vorn, Schumacher schwach

Sebastian Vettel startet heute beim Großen Preis von China von der Poleposition. Michael Schumacher enttäuscht mit Platz neun und ist erneut langsamer als Teamkollege Nico Rosberg.

Karin Sturm
Rasender Bulle. Sebastian Vettel und sein Team Red Bull sind derzeit kaum aufzuhalten. Nach dem Triumph von Malaysia wird heute der Sieg in Schanghai angepeilt.
Rasender Bulle. Sebastian Vettel und sein Team Red Bull sind derzeit kaum aufzuhalten. Nach dem Triumph von Malaysia wird heute...Foto: dpa

Bereits vor seinem Erfolg wurde Sebastian Vettel ausgiebig gelobt. „Sebastian hat in diesem Jahr bisher eine absolut perfekte Leistung abgeliefert. Es ist faszinierend“, hatte sein Teamchef Christian Horner am Vormittag gesagt, noch bevor das Qualifying der Formel 1 in Schanghai begonnen hatte. Am Nachmittag bestätigte Sebastian Vettel dann wieder einmal seine große Klasse: Zum dritten Mal im vierten Rennen dieser Saison sicherte sich der 22-Jährige die Poleposition, von der er am heutigen Sonntag beim Großen Preis von China (9 Uhr live bei RTL und Sky) starten wird.

Im Gegensatz zu Vettel erlebte Michael Schumacher in Schanghai erneut eine Enttäuschung: Fast sieben Zehntel nahm ihm sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg ab. Schumacher wird deshalb nur von Platz neun ins Rennen gehen, Rosberg dagegen aus der zweiten Startreihe von Platz vier. Auch Schumachers nachträglicher Erklärungsversuch ging daneben. „Vielleicht hat der alte Heckflügel, auf den Nico Rosberg fürs Qualifying zurück gewechselt hat, doch besser funktioniert als mein neuer“, sagte Schumacher. Doch es stellte sich später heraus, dass beide mit dem gleichen, dem neuen Flügel unterwegs gewesen waren. „Ich hatte es in unserem Briefing mittags so verstanden, dass Nico den alten nehmen wird“, versuchte Schumacher nachträglich aufzuklären. Er sei falsch informiert worden.

Rosberg hatte sich schon über die falsche Vermutung gewundert. Er habe zwar am Vormittag gemeinsam mit seinen Ingenieuren darüber nachgedacht, den alten Flügel zu verwenden, die Idee dann aber schnell wieder verworfen. Warum Schumacher dennoch so langsam war, darüber rätselte der Rekordweltmeister selbst. Er habe „vor allem aus den langsamen Kurven heraus extrem viel Zeit verloren habe“ und könne sich das selbst nicht so recht erklären. Auch Mercedes-Technikchef Ross Brawn fand erst einmal keine Antwort: „Ich muss mir da die Daten noch einmal ganz, ganz genau anschauen.“

Sebastian Vettel war mit seinem Auto gestern zu Beginn auch nicht hundertprozentig zufrieden, im Verlaufe des Tages wurde noch einiges verbessert. Seinem Team machte Vettel deshalb Komplimente: Es habe gut gearbeitet und „noch nicht mal Zeit zum Trinken gehabt, weil wir so viel geändert haben“. Was genau verbessert wurde, wollte Vettel nicht verraten. Er umschiffte die Fragen danach elegant: „Ich habe meine Schuhe, Socken und Unterwäsche gewechselt.“ Mit seinem trockenen Humor fügte er hinzu: „Fragt doch die ganzen Spionagefotografen, die wissen, dass wir keine neuen Teile angebaut haben.“ Insgesamt sei der Samstag allerdings kein einfacher Tag für ihn gewesen, erzählte Vettel, „gerade weil es heute Morgen noch nicht so gut geklappt hat“. Am Ende des Tages hätten sich die viele Arbeit und Geduld jedoch ausgezahlt.

Vettels Team Red Bull hat derzeit offenbar einfach einen Lauf: In letzter Minute hatte Red Bull noch ein paar neue Teile aus England nach Schanghai bringen können – trotz Vulkanchaos. „Einer unserer Mitarbeiter ist eine halbe Stunde vor der Schließung des Flughafens in Paris mit einer der letzten Maschinen nach Asien gekommen“, erzählte Teamchef Horner. Dieses Problem sei gelöst, nur wegen der Abreise aus Schanghai mache man sich allerdings Sorgen – die anderen Teams übrigens auch.

Die Konzentration Vettels gilt aber erst einmal dem Sieg in China, es wäre der zweite hintereinander nach Malaysia. Und wenn kein technischer Defekt wie in den beiden ersten Rennen oder ein Regenchaos dazwischenkommt, dann „sollte das auch funktionieren, so souverän, wie er im Moment alles macht“, sagte Experte Christian Danner. Ein italienischer Journalist wollte den Heppenheimer am Samstag dann bereits zum „Mann des Jahres“ in der Formel 1 küren. Vettel wies das natürlich zurück: „Dazu ist das Jahr noch viel zu lang – wir haben gerade mal drei Rennen hinter uns.“

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