Grand Prix in Valencia : Barrichello düpiert Hamilton - Vettel scheidet aus

Im Titelkampf der Formel 1 ist Sebastian Vettel zurückgefallen. Der deutsche Fahrer schied in Valencia frühzeitig aus. Rubens Barrichello entriss Weltmeister Lewis Hamilton noch den Sieg.

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"Das darf nicht passieren." Vettel bei der öffentlichen Fehleranalyse.Foto: dpa

Nach einem Motor-Malheur musste Vettel verschwitzt und verärgert mitansehen, wie Rekordstarter Rubens Barrichello Weltmeister Lewis Hamilton den schon sicher geglaubten Sieg noch aus den Händen riss. „Schade. Wenn man vorn mitmischen will, darf das nicht passieren“, klagte Red-Bull-Pilot Vettel am Sonntag nach seinem Aus in der 24. Runde des Großen Preises von Europa. Für den Brasilianer Barrichello war es in seinem 279. Grand Prix der erste Sieg seit knapp fünf Jahren. Dritter hinter Hamilton wurde Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Bester Deutscher war Williams-Pilot Nico Rosberg als Fünfter.

In der WM-Gesamtwertung zog der 37-jährige Barrichello mit seinem zehnten Karriererfolg an Vettel und dessen Teamgefährten Mark Webber vorbei auf Rang zwei. „Rubens, das war absolut fantastisch“, lobte Teamchef Ross Brawn via Boxenfunk. Spitzenreiter bleibt weiterhin Barrichellos britischer Brawn-Kollege Jenson Button, der allerdings auch im vierten Rennen hintereinander das Podium verfehlte und als Siebter nur zwei Punkte einfuhr. Button hat nach dem elften von 17 Saisonläufen 72 Punkte. Barrichello hat nun noch 18 Zähler Rückstand. Webber, der in Valencia als Neunter das Red-Bull-Desaster komplettierte, liegt mit 51,5 Punkten weiter vor Vettel (47).

Bei der Hitzeschlacht auf dem spanischen Stadtkurs hatte es lange nach dem zweiten Sieg in Serie für Hamilton ausgesehen. Im 250. Rennen von McLaren-Mercedes lag der Titelverteidiger vom Start weg vorn, ehe ein verpatzter zweiter Boxenstopp den Briten zurückwarf. Die Silbernen hatten sich offenkundig wegen des anstürmenden Barrichello entschieden, Hamilton früher zum zweiten Tankstopp zu beordern. Doch der rechte Vorderreifen lag nicht bereit, der Champion verlor die entscheidenden Sekunden. „Das war knapp“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Ein starkes Rennen fuhr erneut der Wiesbadener Rosberg, der zum fünften Mal in Serie in die Top fünf kam. Der Gräfelfinger Adrian Sutil steuerte seinen Force India überraschend auf Rang zehn. Dahinter wurde BMW-Fahrer Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Elfter. Der Wersauer Timo Glock überfuhr im Toyota als 14. die Ziellinie.

Ein Debakel erlebte Ferrari mit Ersatzfahrer Luca Badoer. Auch der Beistand von Rekordweltmeister Michael Schumacher, dessen abgesagtes Comeback dem Italiener erst den Platz im Auto des verletzten Felipe Massa bescherte, bewahrte den 38-Jährigen nicht vor zahlreichen Pannen. Schon in Training und Qualifikation konnte Badoer dem Tempo der Konkurrenz nicht folgen. Im Rennen leistete er sich früh einen Dreher und kassierte später eine Durchfahrtstrafe, weil er nach seinem Boxenstopp regelwidrig die weiße Begrenzungslinie überfahren hatte. Am Ende kam er abgeschlagen als 17. ins Ziel.

Beim Start gab es für das Silberpfeil-Duo wie erwartet kein Halten. Hamilton und Heikki Kovalainen verteidigten die Plätze eins und zwei ohne Mühe, der Brite gab danach das Tempo vor. Dagegen konnte Vettel zwar mit einem harten Manöver WM-Rivale Button hinter sich halten, musste aber Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen auf Rang vier vorbeiziehen lassen. Rosberg verbesserte sich um einen Platz auf sechs, während Button bis auf Rang acht durchgereicht wurde. Pech hatte Glock, dem Toro-Rosso-Fahrer Sebastian Buemi ins Heck rauschte. Beide mussten an die Box.

Völlig daneben ging der Auftakt auch für den WM-Spitzenreiter. Button musste nach seinem verpatzten Start bald auch noch Vettels Teamgefährten Webber ziehen lassen und rutschte als Neunter aus den Punkterängen. Danach stellte sich zunächst Langeweile ein. Wie schon bei der Valencia-Premiere im vergangenen Jahr blieben spektakuläre Manöver auf dem Stadtkurs Mangelware, Abwechslung bot nur die maritime Szenerie rund um die Anlagen des Americàs Cups der Segler von 2007.

Die erste Runde der Boxenstopps machte dann Vettel zum großen Verlierer. Auf Rang fünf liegend kam der Hesse zum Tanken, hätte damit gegenüber seinen Titelkonkurrenten Button und Webber im WM-Kampf Boden gutgemacht. Doch der 22-Jährige musste ohne Benzin die Box wieder verlassen, erst beim zweiten Versuch eine Runde später funktionierte die Tankanlage. „Das war Mist. Da war das Rennen schon dahin“, schimpfte er. Als 16. kam Vettel wieder auf die Strecke, kurz darauf musste er mit rauchendem Motor aufgeben.

Besser lief es für Barrichello, der zunächst Kovalainen dank guter Strategie und schneller Runden von Platz zwei verdrängte. Danach hetzte der Brasilianer seinen Rivalen Hamilton und hatte Erfolg. 84 Rennen musste der PS-Veteran warten, ehe er wieder ganz oben auf dem Treppchen jubeln durfte. (dpa)

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