Sport : Griff nach der Krone

Kanute Hoff ist trotz zwei WM-Titeln nicht zufrieden

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Berlin - Aleh Yurenia war nicht so stark in Mathematik, jedenfalls in diesem Moment, ausgepumpt wie der Weißrusse war. Das hat Max Hoff geholfen, er gibt das gerne zu. „Es war ein bisschen Glück, dass er sich verzählt hat“, sagte also Hoff. Deshalb ist er Weltmeister im Kajak-Einer über 5000 Meter geworden, sein stärkster Gegner Yurenia hatte auf dem Rundkurs die Rundenzahl durcheinander gebracht. Hoff gewann mit klarem Vorsprung.

Sein zweites Gold bei der Kanu-WM in Szeged. Das erste war wichtiger, Hoff gewann es im Vierer, auf einer olympischen Disziplin. 5000 Meter dagegen sind nicht im olympischen Programm. Am liebsten hätte Hoff aber im Kajak-Einer über 1000 Meter gewonnen, auch eine olympische Disziplin. Aber da, ausgerechnet da, wurde er nur Vierter. „Das ärgert mich“, sagte er anschließend.

Der Einer ist etwas Besonderes, im Rudern wie im Kanurennsport. „Ein Sieg im Einer bringt dir mehr als im Mannschaftsboot“, sagt Hoff. Der Vierer gilt als Flaggschiff des Verbands, im Einer steht die Person im Blickpunkt. Hoff wurmt die Einer-Niederlage auch, weil er natürlich an London denkt, an die Olympischen Spiele 2012. Die WM 2011 sollte eine Generalprobe darstellen, London aber soll der große Bühnenauftritt werden, das ist der Traum von Hoff. Seit 31 Jahren, seit Rüdiger Helm Gold für die DDR gewann, ist kein Deutscher mehr Olympiasieger im Kajak-Einer geworden. Das ist über den puren Olympiasieg hinaus der Reiz für den Biologen Hoff von der KG Essen. „Wer hier gewinnt, ist eben der beste Kajak-Fahrer der Welt“, sagt Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanuverbands (DKV).

Zwei WM-Titel 2011, nicht schlecht für einen, über den Chef-Bundestrainer Reiner Kießler noch 2007 gesagt hatte: „Hoff? Kenne ich nicht.“ Da war Hoff noch Wildwasser-Kanute, er fuhr auf natürlichen Gewässern, dort wurde er Weltmeister, bis er „aus einer „Laune“ zu den Kanuten auf den künstlichen Strecken wechselte. Die lächelten erstmal über den Neuen, dann, nachdem der ihnen überraschend davon gefahren war, wurden die Kommentare bösartiger.

Vergangenheit, jetzt, nach den WM-Erfahrungen, konzentriert er sich auf die Frage, ob er sich im Hinblick auf London auf den Einer konzentrieren soll. Es geht halt auch ums Prestige. „Der Einer-Sieg“, sagt Konietzko, „ist schon ein bisschen die Krone des Kanusports.“ (mit dpa)

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