Sport : Große Hoffnungen auf die zehn deutschen Teilnehmer des Wettkampfes

Ingo Wolff

Mit großen Hoffnungen ist die Auswahl des Deutschen Amateurbox-Verbandes (DABV) zu den Weltmeisterschaften der Amateure gereist, die von heute bis zum 27. August in Houston (Texas) stattfinden. Das zweiwöchige Vorbereitungscamp in Havanna brachte den letzten Schliff für die sieben bereits nominierten Athleten und schaffte Klarheit in den drei noch zu besetzenden Klassen. In den beiden leichtesten, das Halbfliegen- und das Fliegengewicht, wurde mangels Qualität keiner nominiert.

Seit Montag gewöhnen sich die zehn Boxer in Houston an die klimatischen Bedingungen. Bei 36 Grad mit ansteigender Tendenz wird den Kämpfern im George Brown Convention Center nicht nur beim Anblick der erlesenen Startfeldern ganz heiß. Besonders die USA und Kuba sind mit starken Staffeln vertreten. Bereits bei den Panamerikanischen Spielen deuteten die zweiten Garden beider Länder an, wie schwer es für die Deutschen in den Vorrunden werden könnte. Bundestrainer Helmut Ranze warnt auch davor, die Boxer aus Osteuropa, besonders aus Ungarn und Russland, zu unterschätzen. Dort hat das Amateurboxen einen höheren Stellenwert als in Deutschland, die Athleten bleiben länger im Amateurlager und sind daher international erfahrener. Dies fehle den deutschen Boxern, glaubt Ranze.

Aus Berliner Sicht ist erfreulich, dass drei der deutschen Faustkämpfer aus dem Olympiastützpunkt Berlin stammen. Neben Bantamgewichts-Routinier Dirk Krüger gehören auch Cengiz Koc mit wohl nur geringen Chancen im Superschwergewicht und Matthias Kempe dazu. Der Deutsche Meister im Mittelgewicht tritt aufgrund von Gewichtsproblemen im Halbschwergewicht an. Allerdings geht er damit auch dem ungarischen Titelverteidiger Zsolt Erdai aus dem Weg. Dem muß sich nun der Karlsruher Harald Geissler stellen, der Kempes Bruder Andreas im Duell um den freien Platz im Mittelgewicht bezwingen konnte.

Enttäuschend ist das Fehlen von Europameister Kay Huste, der sich im Leichtgewicht gegen Norman Schuster aus Halle geschlagen geben mußte. Seine Silbermedaille von der Militär-WM in der vergangenen Woche dürfte ihn etwas trösten. Sein Bruder Falk, der für Frankfurt/Oder startet, mussnun allein die Familie vertreten. Er hat im Federgewicht aufgrund seiner WM-Erfahrungen eine gute Chance, weit zu kommen.

Größter deutscher Medaillenkandidat dürfte aber Steven Küchler im Weltergewicht sein. Der Hallener steuert den WM-Titel an. Bundestrainer Ranze dämpft die Ambitionen des 23-Jährigen ein wenig. "Viel hängt von der Auslosung der Vorrunde ab." Neben Küchler und Schuster ist noch ein weiterer Boxer vom OSP Halle mit dabei. Steffen Kretschmann im Schwergewicht hatte zuletzt ein kleines Formtief und gilt als Außenseiter. Der Wiesbadener Ali Ahraoui im Halbweltergewicht und Adnan Catic aus Leverkusen im Halbmittelgewicht vervollständigen das deutsche Aufgebot.

Wichtig sind sportliche Erfolge des DABV auch aus finanzieller Sicht. Die Einstufung bei der Deutschen Sporthilfe ergibt sich aus den Platzierungen in Houston und Sydney. Soll die Höchstförderung gehalten werden, müssen möglichst viele Boxer bei der WM unter die letzten Zehn vordringen.

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