Sport : Große Sprengkraft

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Benedikt Voigt über die Brisanz

der Schwarzgeldaffäre

Wenn am kommenden Freitag die Bundesliga in ihre 40. Spielzeit startet, wird es ihr nicht gut gehen. Da können Marcelinho oder Ewerthon noch so viele Tore schießen, den Makel, der schon jetzt über der Saison 2002/2003 liegt, werden auch die schönsten Spielzüge nicht tilgen. Zum einen liegt das an der Kirch-Krise, derentwegen die Bundesliga-Vereine in der Sommerpause ihre Transfers auf das Nötigste beschränkten. Nur wenige neue Gesichter wird der Fan in dieser Spielzeit auf dem Rasen zu sehen bekommen, weil vor allem die kleinen Klubs ihre Etats herunterschraubten. Das mag nicht weiter tragisch sein, zumal die Kirch-Krise sich nicht existenzbedrohend für die Vereine auswirkte. Betroffen sind momentan vor allem die Profis, die keinen Job mehr bekommen. Doch die jüngste Schwarzgeldaffäre um Christoph Daum und Jens Nowotny birgt Gefahr für die gesamte Liga.

Bestätigt sich der Vorwurf, dass Bayer Leverkusen an Christoph Daum Schwarzgeld zahlte, dürfte allen Vereinen eine Überprüfung ihres Finanzgebarens ins Haus stehen. Zumal es schon in der Vergangenheit immer wieder Steuerfälle wie Anthony Yeboah oder Stefan Kuntz gegeben hat. Sollten die nächsten Wochen weitere Sünden hervorbringen, könnten etwaige Bußgelder oder Nachzahlungen den sorgfältig austarierten Haushalt des einen oder anderen Bundesligaklubs gefährden. Die schlimmsten Folgen wären Lizenzentzug oder Zwangsabstieg. So gesehen besitzt die Schwarzgeldaffäre im Zusammenspiel mit der Kirch-Krise wirklich eine beachtliche Sprengkraft.

Noch einer hat ein Problem. Wollte Gerhard Mayer-Vorfelder, dessen Steuergebaren zuletzt öffentlich diskutiert wurde, wollte er tatsächlich neun Millionen Mark einem Bundestrainer Christoph Daum überweisen, wie es der Anwalt Matthias Prinz behauptet? Der DFB-Präsident sagt: „Dieses stimmt nicht annähernd.“ Auch andere üben sich in Dementis. Präsidenten und Manager der Bundesligaklubs weisen den Verdacht von sich, dass in der Bundesliga Schwarzgeld-Konten existieren. Alles nicht so schlimm, sagen sie. Doch das hat man am Anfang der Kirch-Krise auch gesagt. Und dann kam es anders.

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