Sport : Große Sprünge, große Würfe

Beim Pokalfinale in Hamburg zeigt sich die erfolgreiche Entwicklung des Handballs – Flensburg verteidigt den Titel

Frank Heike

Hamburg. Diese Saison ist im deutschen Handball eine Saison der großen Veränderungen, und das zeigt auch die SG Flensburg-Handewitt. Aus dem scheinbar dauerhaften Zweiten kann jetzt der Erste werden. In der Bundesliga fehlt den Flensburgern aus drei Spielen nur noch ein Unentschieden, und am Sonntag haben sie schon den ersten Titel gewonnen. Sie verteidigten den nationalen Pokal durch ein 29:23 (14:8) im Finale gegen den HSV Hamburg.

Aber schon vor dem Finalturnier in Hamburg gab es strahlende Gesichter. Das von Frank Bohmann zum Beispiel. Er hat leuchtende blaue Augen, und wenn er Erfolgsmeldungen des Handballs vorträgt, strahlen sie noch ein bisschen mehr. „Wir hätten auch nach nebenan gehen können“, sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) vor Beginn der Pokalendrunde. Nebenan, da steht die AOL-Arena. Mehr als 54 000 Menschen haben dort Platz. In die Color Line Arena passen nur 13 000 Personen. Niemand bei der HBL hat den Umzug von der veralteten Alsterdorfer Sporthalle in die moderne Arena vor einem Jahr bereut. Doch in diesem Jahr hätte es ruhig noch ein bisschen mehr sein dürfen: denn in der SG Flensburg-Handewitt, dem THW Kiel, dem SC Magdeburg und dem HSV Hamburg gab es die beste Besetzung bei einer Pokalendrunde des Deutschen Handball-Bundes, seit der Sieger in Form eines „final four“ an einem Wochenende gesucht wird.

„50 000 Karten hätten wir verkaufen können“, sagte Bohmann. Da freute sich auch sein Vorgesetzter, Liga-Chef Heinz Jacobsen. Seit Jahren arbeitet er daran, Hamburg für zwei Tage im Jahr zum Mekka des deutschen Handballs werden zu lassen. „Hamburg soll für den Handball das sein, was Berlin für den Fußball ist.“ Jacobsen und Bohmann haben mit ihrer Arbeit den Weg bereitet und in diesem Jahr mit „Asics“ zum ersten Mal einen Titelsponsor akquiriert. Während die Pokalpartien der ersten Runden nur lästige Pflichtübung sind, ist das „final four“ seit seiner ersten Austragung in dieser Form vor zwölf Jahren ein Handballfest. Auch deswegen hat Jacobsen den Vertrag mit der Arena gerade bis 2007 verlängert; für jeden Klub springen jetzt etwa 100 000 Euro heraus (etwa doppelt so viel wie in Alsterdorf).

Das ist viel in den Zeiten der wirtschaftlichen Flaute, nämlich ungefähr das halbe Jahresgehalt eines Spitzenspielers. Und in diesem Jahr ist alles noch ein bisschen schöner: Durch die drei beteiligten Nordklubs stand das Wochenendprogramm des NDR ganz im Zeichen das Handballs. Auch der MDR übertrug. Jacobsen freut das, zufrieden ist er aber nicht: „Wenn ARD oder ZDF aufgesprungen wären, hätten wir noch mehr Geld verdienen können. Es ist für Sponsoren immer noch ein Hinderungsgrund, voll einzusteigen, wenn nur die dritten Programme übertragen.“ So war es ein Quantensprung für den deutschen Vereinshandball, dass das ZDF vor einer Woche das komplette Champions-League-Finale zwischen Flensburg und Celje Pivovarna Lasko übertrug. Welche andere Sportart kann das schon vorweisen? Hockey? Basketball? Volleyball vielleicht? Sie alle finden im Fernsehen entweder gar nicht oder bei Spartensendern statt.

Der deutsche Handball sieht sich nach dem EM-Titel der Nationalmannschaft im Februar in Slowenien und den Erfolgen der deutschen Klubs im Europapokal endgültig dort angekommen, wo der Kieler Manager und Vordenker der Liga, Uwe Schwenker, ihn seit Jahren haben möchte: „Wir wollen uns als Sportart Nummer eins hinter Fußball etablieren.“ Es war wieder eine starke Saison: zwei deutsche Teams im Halbfinale der Champions League, Flensburg im Endspiel und der THW Kiel als Sieger des EHF-Pokals.

Genug Arbeit bleibt trotzdem für Bohmann und den im Sommer scheidenden Jacobsen. Das ewige Thema Zentralvermarktung stockt, nachdem es vor zwei Jahren schon fast in trockenen Tüchern war. Aber nach wie vor haben gerade kleinere Klubs Angst, ein Liga-Sponsor mit Werbeflächen nehme in ihrer Halle den regionalen Sponsoren den Platz und ihnen das Geld weg. Doch braucht die Liga einen solchen Zentralvermarkter nicht zuletzt, um die Arbeit des Ligaverbandes zu bezahlen. So wird Liga-Manager Bohmann auch daran gemessen, ob es ihm gelingt, diesen Großsponsor zu finden. „Ich bin guter Hoffnung, zur neuen Saison etwas zu präsentieren“, sagt er.

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