Sport : Großer Streit ganz klein

Die 39. Saison der Fußball-Bundesliga geht langsam ihrem Ende zu. Man muss nur auf die Tabelle schauen, in die erste Spalte, die in der Regel die Anzahl der gespielten Spiele aufführt. Es gibt aber auch andere untrügliche Zeichen: den gestiegenen Verbalausstoß aller am Titelkampf Beteiligter zum Beispiel. In diesem Jahr betrifft dies ausschließlich Dortmunder und Leverkusener. Michael Meier, der Manager von Verfolger Borussia Dortmund, hat Klaus Toppmöller, den Trainer von Anführer Leverkusen, jüngst einen "von Neid zerfressenen Trainer" genannt, "der die Ethik mit Füßen tritt". Welche Ethik?, fragt man sich manchmal.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Natürlich behaupten die Dortmunder, dass nicht sie, sondern Toppmöller mit den Kindereien angefangen habe. Der habe nämlich - jedenfalls wird er so zitiert - gesagt, Matthias Sammer habe sich beim reichen Börsenverein Borussia ins gemachte Netz gesetzt. Seine Originalaussage lautete: "Ein Matthias Sammer setzt sich in Dortmund auf den Chefsessel. Die einen kriegen das in die Wiege gelegt, ich habe mich hochdienen müssen." Man kann aus diesen Sätzen ein gewisses Minderwertigkeitsgefühl lesen, und das, obwohl Toppmöller in dieser Saison bei Bayer seinen Ruf gefestigt hat, ein guter Trainer zu sein. Gewonnen hat er allerdings noch nichts. Weder als Spieler noch als Trainer, sieht man mal davon ab, dass er 1984 Torschützenkönig der Oberliga Südwest war. Mit Mannheim ist Toppmöller nicht aufgestiegen, mit Frankfurt nicht Meister geworden, mit Bochum abgestiegen. Vielleicht erklärt das die Aussagen, die BVB-Manager Meier für "dumm und primitiv" hält.

Klug und nobel ist allerdings auch das nicht, was Meier von sich gegeben hat. Aber vielleicht sollte man das alles ohnehin nicht allzu ernst nehmen. Vielleicht gehören diese Psychospielchen in einer Branche, in der es längst um mehr geht als um Tore, Punkte, Meisterschaft, einfach dazu. Von Reiner Calmund, Leverkusens Manager, ist zum Beispiel bekannt, dass er Sammer sehr schätzt, und Michael Meier hat früher selbst bei Bayer gewerkelt, bevor er den BVB zum Spitzenverein machte. Das alles bestätigt den Eindruck, dass es sich um eine einzige große Inszenierung handelt. Die Frage ist nur, wer die in der jetzigen Situation sehen will.

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