Sport : Großes Projekt mit kleinen Mängeln

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Frank Bachner über die Gründung

der Nationalen Anti-Doping-Agentur

Wahrscheinlich wird es am Montag Sekt geben in Bonn. Ganz sicher aber werden große Worte fallen, es gibt ja etwas zu feiern. Die Nationale Anti-Doping-Agentur, kurz Nada, wird feierlich ins Leben gerufen. Ulrich Haas, Chef der Anti-Doping-Kommission (ADK) des deutschen Sports, wird doch jetzt schon pathetisch: „Es ist das größte und interessanteste sportpolitische Projekt seit langer Zeit.“ Die Nada löst die ADK ab, und auf dem Papier ist das ein bedeutender Schritt. Der Kampf gegen Doping wird intensiviert. Das ist die Hauptaufgabe der Nada. Sie wird mehr Wettkampf- und Trainingskontrollen vornehmen, sie wird viel mehr Aufklärung im Anti-Doping-Kampf betreiben als ihr Vorgänger. Die ADK hatte zwei feste Mitarbeiter, die Nada hat fünf. Vor allem aber ist die Nada unabhängig vom Sport. Sie lebt zu großen Teilen vom Geld einer Stiftung, und die Verbände haben keinen Einfluss auf die Nada. Bisher hatten die Verbände die Möglichkeit, ihre finanziellen Abgaben an die ADK einzustellen.

Doch die Probleme liegen im Detail. Ursprünglich plante die Nada mit 15 Millionen Euro Stiftungskapital. Jetzt sind es nur 6,5 Millionen, weil die Wirtschaft beschämend wenig beisteuert. Sechs Millionen Euro zahlen Bund und Länder. Von den Zinsen wird die Nada den laufenden Betrieb sowie Prävention und Aufklärung bezahlen. So großartig wie gedacht fällt die Aufklärung also nicht mehr aus. Und auch ein juristischer Wirrwarr wie beim Fall Baumann lässt sich durch die Nada nicht verhindern. Die hat zwar versierte Juristen, aber sie ist kein nationales Sportgericht. Sie kann Ratschläge geben, mehr nicht.

Nur weil es jetzt die Nada gibt, wird in Deutschland Doping nicht plötzlich aufhören. Wahrscheinlich steigt nicht mal die Zahl der erwischten Dopingsünder sprunghaft an. Solche Sätze gehören eigentlich auch in die Reden am Montag. Nur würde dann der Sekt nicht mehr ganz so gut schmecken.

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