Sport : Gründervater der Bundesrepublik

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Sven Goldmann über den Mythos

Helmut Rahn auf Zelluloid

Helmut Rahn und das Wunder von Bern – wer möchte, wer kann das schon trennen? Zwei Tore in 90 Minuten haben den in der Nacht zu Donnerstag verstorbenen Fußballspieler unsterblich werden lassen. Knapp 50 Jahre nach dem Sieg der deutschen Mannschaft im Weltmeisterschaftsfinale über Ungarn hat Regisseur Sönke Wortmann einen Kinofilm daraus gemacht, unter dem unvermeidlichen Titel „Das Wunder von Bern“. Der Film ist in ersten Vorbesprechungen nicht besonders gut weggekommen, auch im Tagesspiegel nicht. Zu viele Handlungsstränge, ideologisch unentschieden, steife Dialoge – all das und mehr hat die Kritik in den vergangenen Tagen moniert.

Am Donnerstag war das „Wunder von Bern“ im Rahmen einer Pressevorführung erstmals in Berlin zu sehen. Am Tag, als Helmut Rahn starb, spielt Filmkritik eine untergeordnete Rolle. Man sieht den Film mit anderen Augen. Auch als Journalist.

Helmut Rahn, gespielt von Sascha Göpel, ist der eigentliche Held in Sönke Wortmanns Film. Der proletarische Lebemann, der jetzt in allen Nachrufen gerühmt wird. Der Sportstar, der mehr noch als Konrad Adenauer und Theodor Heuss als Gründungsvater der Bundesrepublik angesehen wird. Der beste Freund eines Halbwüchsigen, dem er Idol und Vaterersatz zugleich ist. Das FußballGenie, das in seiner Individualität – nicht unbedingt die hervorstechendste Eigenschaft der Deutschen – so wertvoll ist, dass ihm der sonst so strenge Bundestrainer Sepp Herberger auch eine durchsoffene Nacht bei der Weltmeisterschaft nachsieht.

Die Aufzählung zeigt: Es wird ein bisschen viel auf Helmut Rahns Schultern abgeladen. Man registriert es und sieht es doch gern, an diesem Tag.

Am Tag, als Helmut Rahn starb.

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