Sport : Gruß an den alten Trainer

Dank Bill Lindsay siegt Köln 3:1 gegen die Eisbären – deren Coach Pagé hatte den Stürmer einst gefördert

Christiane Mitatselis[Köln]

Pierre Pagé braucht nur wenige Worte zur Spielanalyse. „Wir haben gut gespielt“, sagte der Trainer der Berliner Eisbären Berlin nach der 1:3 (0:0, 1:1, 0:2)-Niederlage bei den Kölner Haien. „Aber Thomas Greiss hat heute den Unterschied ausgemacht. So einfach ist das.“ Genervt sah Pagé aus, als er so sprach. Aber wer verliert schon gern ein knappes Spiel? Phasenweise hochklassiges Eishockey hatten die 15 010 Zuschauer in der Kölnarena gesehen. Während 19-jährige Kölner Torhüter Greiss wieder einmal überragend hielt, zeigte sein Berliner Kollege Tomas Pöpperle ein paar Unsicherheiten. So ging eine Serie zu Ende: Es war der erste Kölner Erfolg nach neun Niederlagen gegen die Berliner. Eine andere Serie bauten die Haie aus: Hans Zachs Team ist nun seit sechs Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ungeschlagen. Der Kölner Trainer fühlte mit den Berlinern. „Die Eisbären haben gut gespielt“, sagte Zach. „Aber heute hatten wird das Glück, das uns früher in engen Spielen oft gefehlt hat.“

Die Eisbären starteten mit sehr viel Elan in die Partie, das erste Drittel ging klar an die Gäste: Die Kölner zogen sich weit zurück, Berlin machte Druck: Die anfängliche Überlegenheit der Eisbären drückte sich in der Statistik aus – 18 Schüsse gaben die Berliner im ersten Abschnitt aufs Tor ab, die Haie nur sechs. Der junge Greiss blieb im heftigen Berliner Sturmlauf bewundernswert ruhig und bewahrte sein Team so vor einem frühen Rückstand. Pagé erkor Greiss deshalb später gar zum „besten Torhüter in Deutschland“. Oliver Jonas, der zu Saisonbeginn von den Eisbären nach Köln gewechselt ist, wird es jedenfalls schwer haben, Greiss den Stammplatz im Haie-Tor streitig zu machen.

Der Berliner Führungstreffer – Micki Dupont feuerte einen präzisen und harten Schlagschuss ab – war bei schlechter Sicht für Greiss allerdings kaum haltbar. Zum Glück für die Haie ließ Pöpperle auf der anderen Seite nach einem Schuss von Eduard Lewandowski den Puck fallen und ins Tor rutschen – so stand es nur 44 Sekunden später 1:1. Auf hohem kämpferischen und spielerischen Niveau setzten sich die Teams fortan auseinander.

Bill Lindsay, der neue Kölner Stürmer, der mit der Erfahrung von 819 Spielen in der nordamerikanischen Profiliga NHL aufwarten kann, leitete den Kölner Erfolg ein: Einen Schlagschuss von Stéphane Julien beförderte er im Powerplay aus dem Getümmel ins Berliner Tor. Beim 3:1, einem Kontertor, legte Lindsay den Puck für seinen Sturmpartner Jeremy Adduono auf – eine selbstlose Tat? „Nein“, sagte Lindsay. „Breaks sind nicht meine Stärke, deshalb wollte ich sicher gehen, dass der Puck im Tor landet.“ Wo seine Stärken liegen, hatte Lindsay zuvor gezeigt: Der 34-jährige Nordamerikaner, der erst sein zweites Spiel in der DEL machte, ist nicht nur Kämpfer, er ist dazu auch schnell und technisch versiert.

Lindsay war gestern der beste Kölner Spieler, worüber der Trainer des Gegners nicht erstaunt war. Denn Pierre Pagé kennt Lindsay schon lange. 1992 ermöglichte er als Trainer der Quebec Nordiques dem damals 21-jährigen Angreifer den Sprung ins NHL-Team. „Er ist ein Spieler mit Charakter, ein großartiger Typ“, sagte Pagé. Ob die Eisbären auch an einer Verpflichtung von Lindsay interessiert waren, verriet der Eisbären-Trainer jedoch nicht.

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