Sport : Gut verloren

T-Mobile wird Dritter im Mannschaftszeitfahren – Lance Armstrong übernimmt das Gelbe Trikot

Hartmut Scherzer[Blois]

Wie ein König hat Lance Armstrong mit seinem Gefolge auf der Route der Schlösser an der Loire geherrscht. In Blois entthronte der Herrscher der Tour de France seinen Landsmann David Zabriskie und krönte sich selbst wieder mit dem Gelben Trikot. „Es ist immer schön, das Gelbe Trikot zu tragen“, sagte ein strahlender Texaner. Dieser Wettbewerb sei eine Sache der Leidenschaft. „Es ist toll, dem Sponsor das erste Gelbe Trikot gebracht zu haben“, sagte Armstrong weiter in seiner Thronrede. Alle acht Getreuen hatten den Herrscher der Tour nach 67,5 Kilometern des Mannschaftszeitfahrens über die Ziellinie in Blois begleitet. Nie zuvor gab es ein temporeicheres Teamfahren bei der Tour. Nach den 1:10:39 Stunden in Blois hatten die Profis des US-Teams einen Schnitt von 57,32 km/h gefahren.

Auch ein starkes T-Mobile-Team, das auf Rang drei fuhr, mit einer viel besseren Leistung als 2004, hatte Anteil daran. Armstrong widmete den Sieg einem Gefolgsmann, der in all den Jahren als der Stärkste dabei war, aber diesmal wegen eines Trainingssturzes fehlte: Wjatscheslaw Jekimow. An die ständige Verteidigung des Trikots würden sie nicht denken, räumte Sportdirektor Johan Bruyneel jedoch ein. „Das Ziel ist, es in Paris zu haben.“

Armstrongs Vorgänger in Gelb wurde freilich im wahrsten Sinne des Wortes gestürzt. David Zabriskie stürzte inmitten der Linie des CSC-Teams in den Straßen von Blois, erlitt Prellungen und brachte damit seine Mannschaft aus dem Rhythmus. „Die hintere Gruppe musste erst einmal wieder aufschließen“, schilderte Jens Voigt das Malheur. „Es ist schmerzlich, dumm und überflüssig, auf diese Weise das Gelbe Trikot zu verlieren.“ Zabriskie fiel auf den 9. Rang zurück.

Das Team von Bjarne Riis büßte durch das Missgeschick sicherlich die zwei Sekunden ein, die letztlich zum ersten Platz fehlten. Bei allen Zwischenzeiten hatte die CSC-Mannschaft ganz knapp an der Spitze gelegen. Auf den dritten Platz im Gesamtklassement, 1:04 Minuten hinter Armstrong, gibt der lange Mecklenburger nichts. „Ich lasse mich nicht blenden. Wir fahren alle weiter für Ivan Basso.“

Ein starker Jan Ullrich führte die verbliebenen fünf Gefährten des T-Mobile- Teams als Dritter über die Ziellinie. Der reale Rückstand: 35 Sekunden. Aber gemäß der neuen Zeitregel werden beim Dritten nur 30 Sekunden angerechnet. Erst Tobias Steinhauser nach 48 Kilometern, dann Daniele Nardello und schließlich der Neuling Stephan Schreck konnten dem hohen Tempo nicht mehr folgen. „Es war nicht der Sinn der Sache, alle Mann zusammen durchs Ziel zu bringen, sondern die schnellste Zeit zu erreichen“, sagte Ullrich und lobte die „sehr gute Leistung. Es war ein starkes Mannschaftszeitfahren.“ Ullrich selbst findet nach dem Auffahrunfall und dem Debakel auf der ersten Etappe seine Form und sein Selbstvertrauen wieder.

Walter Godefroot stieg aus dem Auto und setzte sein undurchsichtiges Lächeln auf. „Auch jene, die fliegen gegangen sind, sind bis dahin voll gefahren.“ Für ein gutes Mannschaftszeitfahren brauche man immer zwei Topspezialisten. „Wir hatten drei, Ullrich, Winokurow und Klöden.“ Godefroot zählte sogar als vierten Schreck hinzu. „Stephan war eine Überraschung.“ Der Thüringer aber gab sich indes leicht enttäuscht: „Im Flachen habe ich probiert, mehr zu fahren. Aber auf der Welle zehn Kilometer vor dem Ziel hat es mir hinter Jan die Luft zerrissen. Wenn man schon im Koma fährt, kann man nicht mehr reagieren.“

Das Klassement hat sich nach der vierten Etappe durch die Zeiten und Ereignisse zwischen Tours und Blois verändert. Armstrong hat ein sicheres Polster für die Berge zwischen sich und seine Hauptrivalen gelegt: 1:21 Minuten gegenüber Alexander Winokurow (7.), 1:26 gegenüber Ivan Basso (10.) und 1:36 gegenüber Jan Ullrich (14.). Es sind vor allem die Kameraden von Discovery Channel, die der Leader mit unter die ersten zehn nahm: Den treuen Freund George Hincapie (2.), den zuverlässigen Weggefährten Jose Luis Rubiera (5.) und die große Hoffnung Jaroslaw Popowitsch (6.).

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