• Haas und Kiefer kämpfen auch bei den US Open um die Vorherrschaft im deutschen Tennis

Sport : Haas und Kiefer kämpfen auch bei den US Open um die Vorherrschaft im deutschen Tennis

Jörg Allmeroth

Die Tenniswelt hat sich über viele Wochen in Ehrfurcht vor den abdankenden Stars Boris Becker und Steffi Graf verneigt. Doch vor lauter Sentimentalität über den Rücktritt der Weltstars hat kaum jemand mitbekommen, dass zwei junge Deutsche in ihrem jeweils besten Arbeitsjahr drauf und dran sind, mit reichlich Siegen in die Top Ten vorzustürmen und sich womöglich sogar für die ATP-Weltmeisterschaft in Hannover zu qualifizieren. Thomas Haas, Nummer 15 der ATP-Rangliste, und Nicolas Kiefer, Nummer 16 der Charts, sind tatkräftig dabei, wenigstens in Maßen die Lücke zu schließen, die der Abgang der großen deutschen Centre-Court-Darsteller hinterlassen hat: "Es ist ungerecht", sagt selbst Davis-Cup-Kapitän Charly Steeb, "dass dieser Aufschwung nicht so recht wahrgenommen wird." Die Erfolge von Haas und Kiefer in einer "extrem harten Konkurrenzsituation" seien "bärenstark".

Bei den gestern in New York eröffneten US Open geht es für die beiden deutschen Nachwuchskräfte, die in ihrer Mentalität kaum weniger verschieden sind als früher die ewigen Streithansel Becker und Stich, auch um die markttechnisch wichtige Nummer-1-Position im deutschen Tennis. Wer die Spitze erklimmt, dem winkt nicht nur eine gestärkte Position in den notorischen Grabenkämpfen um Macht und Einfluss in der Szene, der hat auch bessere Vertragskonditionen bei seinen Sponsorpartnern. "Den besten deutschen Tennisspieler kann man in der Werbung nun mal besser verkaufen als den zweitbesten", sagt Impresario Ion Tiriac. Der gewiefte Rumäne berappt zwar, wie er hoch und heilig versichert, keine Preisgelder an seine Stars wie beim Stuttgarter ATP-Spektakel, aber er weiß, dass anderswo beim Zahltag an der Kasse die nationale Hierarchie schon "gebührend berücksichtigt wird."

Bei Haas schimmert immer mehr der Ehrgeiz durch, den ungleichen Rivalen aus der niedersächsischen Provinz auf Dauer zu distanzieren. "Ich träume nicht jede Nacht davon, der Beste in Deutschland zu sein", sagt der Ferrari-Pilot, "aber die Nummer eins zu werden, ist schon ein großes Ziel." Der wortkarge Kiefer lässt sich angeblich von Plätzen und Positionen nicht beeindrucken und bemüht eine seiner drögen Lieblingsformeln, um die Debatte abzuwürgen: "Wenn ich gute Resultate habe, komme ich automatisch ganz nach vorn."

Während der typische Mannschaftsspieler Haas bei jeder Gelegenheit betont, wieviel Spaß es ihm macht, immer und überall seinen Dienst fürs Tennis-Vaterland anzutreten, geht der extreme Einzelkämpfer Kiefer einfach mir nichts, dir nichts von der Fahne und tritt beispielsweise nicht beim Abstiegskrimi in Rumänien an. Haas kann da nur staunen: "Mir fällt es schwer, das zu verstehen."

Viel zu sagen haben sich Haas, der in Flushing Meadow mit dem Schweden Thomas Enqvist das schwerste Auftaktlos aller Gesetzten zog, und Kiefer (gegen den Australier Jason Stoltenberg) ohnehin nicht. "Der Kiwi kapselt sich ziemlich ab", meint Haas, der sich seit kurzem auch nicht mehr um zaghafte Annäherung bemüht, "der dreht am liebsten sein eigenes Ding."

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