Sport : Härtetest am Bruchweg

Hertha muss in Mainz viele Ausfälle kompensieren

Stefan Tillmann

Berlin - Der Kreis wird kleiner. Falko Götz steht in der Mitte, redet leise auf seine Spieler ein. „Es ist unsere Chance“, das ist das Einzige, was die Trainingsgäste ihn sagen hören. Eine Woche, bis zum gestrigen Spiel, war Hertha BSC Tabellenführer, doch vor dem Auftritt in Mainz (heute, 15.30 Uhr, im Stadion am Bruchweg) muss der Trainer seiner Mannschaft weiter Selbstbewusstsein einimpfen. Zu stark dämpfen die Ausfälle von Yildiray Bastürk und Gilberto die Euphorie.

„Es ist an der Zeit, aufzuhören zu träumen“, sagt Falko Götz. Jetzt sei es Zeit für harte Arbeit. Das Spiel in Mainz werde schwerer als das Heimspiel gegen den Rivalen Schalke 04, als „die Spieler sich nur in die Atmosphäre reinfressen mussten“, wie der Trainer es genannt hatte. Manager Dieter Hoeneß empfand „fast ein WM-Feeling“ unter den 60 000 Zuschauern im Olympiastadion. In Mainz wird Hertha die große Unterstützung der Fans fehlen, vor allem aber müssen die Berliner ohne ihre beiden besten Fußballer auskommen. Yildiray Bastürk erlitt einen Außenbandanriss im linken Knie und fällt drei Wochen aus. Noch mehr ist der Riss des Syndesmosebandes im linken Knöchel von Gilberto eine Belastung. Zunächst befürchteten die Verantwortlichen, dass der brasilianische Nationalspieler bis zu acht Wochen ausfällt. Nun gehen sie von sechs Wochen aus. Eine Operation will Gilberto vermeiden. „Langfristig sind wir nicht in der Lage, die Ausfälle zu kompensieren“, sagt Götz. Malik Fathi, der am Montag am rechten Daumen operiert wurde, wird wohl spielen können. Mittelfristig seien alle Spieler des Kaders in der Pflicht, alles zu tun, damit sie ihre gute Ausgangslage behalten könnten, sagt der Trainer.

Der Kader ist jung, die beiden verletzten Gilberto und Bastürk werden wohl durch zwei 19-Jährige vertreten. Auf der Spielmacherposition tritt Kevin-Prince Boateng für Bastürk an. Er träume davon, auf seiner Wunschposition zu spielen, sagte der 19-Jährige. Dort spielte er jahrelang in der Jugend. „Dort habe ich meine besten Spiele gemacht“, erzählt Boateng. Auf der linken Mittelfeldseite lässt Götz wohl Patrick Ebert für Gilberto spielen. Ebert hatte bislang mit Boateng und Ellery Cairo um die Position im rechten Mittelfeld gekämpft. Nun dürfen voraussichtlich alle drei spielen. Während der Nachwuchs in die Startelf drängt, könnte Andreas Neuendorf der Verlierer sein. Der 31 Jahre alte Linksfuß war die ersten drei Bundesligaspiele gesperrt, auf der linken Seite ist er eigentlich der zweite Mann hinter Gilberto. „Entscheidend sind die Trainingsleistungen“, sagt Götz.

Hertha erwartet ein offenes Spiel. Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp lässt schon lange so offensiv spielen, wie Hertha es seit dieser Saison versucht. „Die Mainzer wollen den Fans nach den Niederlagen im Pokal und in Cottbus etwas bieten“, sagt Herthas Kapitän Arne Friedrich. Wichtig sei ein frühes Tor. Damit wollen die Berliner sich beruhigen. Das Spiel werden sie nicht beruhigen wollen. Die bisherigen Partien haben gezeigt, dass Hertha am stärksten war, wenn das Spiel schnell war – und Stürmer Christian Gimenez nicht so viel laufen musste.

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