Halbfinale gegen Japan : Schwedens Aufstieg im Abstieg

Schweden hat als einziges Land auf dem Weg ins Halbfinale bei dieser WM kein Spiel verloren. Das Team überzeugt durch Geschlossenheit und das, obwohl es im Pionierland des Frauenfußballs seit Jahren bergab geht.

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Zum Erfolg getanzt. Die Schwedinnen zeigen nicht nur beim Torjubel, dass sie eine Einheit sind.
Zum Erfolg getanzt. Die Schwedinnen zeigen nicht nur beim Torjubel, dass sie eine Einheit sind.Foto: dapd

Der größte Widersacher ist draußen. Fast immer waren es die Deutschen gewesen, die Schwedens Titelträume beendet hatten. In insgesamt vier EM- und einem WM-Finale standen die Skandinavierinnen, doch seit dem ersten Titel bei der EM 1984 haben sie jedes weitere Endspiel verloren, dreimal allein gegen Deutschland. Vielleicht ist es ja ein gutes Omen für die Mannschaft von Thomas Dennerby, dass sie auf jeden Fall auf einen anderen Gegner treffen wird, sollte sie sich im heutigen Halbfinale gegen Japan (20.45 Uhr, live im ZDF) durchsetzen. Dabei gehörte Schweden eigentlich nicht mehr zur ersten Reihe der Titelanwärter bei dieser WM.

Stetig schien es in den vergangenen Jahren bergab zu gehen mit dem Frauenfußball in Schweden, einem der Pionierländer dieses Sports. Die Schwedinnen waren bei jeder WM dabei, seit dem Finale 2003, in dem Nia Künzer das Spiel per Golden Goal beendete, aber gelang nichts mehr. 2007 scheiterte das Team, in der Vorrunde. In diesem Jahr hatte Dennerbys Elf gar Probleme, sich überhaupt zu qualifizieren. Die schwedische Liga galt einst als die stärkste der Welt. Doch während der Finanzkrise zogen sich viele Sponsoren zurück – und die besten Spielerinnen gingen ins Ausland.

Das gilt auch für den aktuellen Kader: Lotta Schelin gewann mit Olympique Lyon die Champions League, Kapitänin Caroline Seger spielt gemeinsam mit der Brasilianerin Marta bei Western New York Flash in den USA. Auch Schwedens Rekordspielerin Therese Sjögran spielt in der amerikanischen Profiliga. In Sara Thunebro und Jessica Landström sind auch zwei der WM-Teilnehmerinnen beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag. Trotzdem hat es Thomas Dennerby geschafft, aus den Spielerinnen eine Einheit zu formen, die nicht nur beim TorjJubel durch Geschlossenheit glänzt.

Das Team hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Ihre Probleme im Abschluss scheinen die Schwedinnen spätestens durch ihr 3:1 im Viertelfinale gegen Australien endgültig überwunden zu haben, als endlich auch Starstürmerin Lotta Schelin traf, „eine Befreiung“, sagte sie.

Schweden ist das einzige Team, das auf dem Weg ins Halbfinale alles gewonnen hat. Der Weltranglistenfünfte geht als Favorit ins Spiel gegen die Japanerinnen – und das obwohl diese die Deutschen aus dem Turnier geworfen haben. Dennerby allerdings warnt: „Japan hat technisch sehr versierte und schnelle Spielerinnen.“ Silvia Neids Worte vor dem Viertelfinale klangen ähnlich.

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