Sport : Hallo, Kampfgeist?

Alba Berlin fehlt in den Play-offs die richtige Einstellung

Helen Ruwald

Berlin. Marko Pesic musste von der Meisterschaft sprechen, ob er wollte oder nicht. Alba Berlins Basketballer hatten das zweite Play-off-Viertelfinale in Leverkusen 94:106 verloren. Trainer Emir Mutapcic klagte später über die „schlechteste Defensivleistung der Saison“. Doch beim Live-Interview mit TV Berlin musste Pesic unmittelbar nach Spielende auf die fast flehentliche Reporterfrage reagieren, dass Alba den achten Meistertitel in Folge ja wohl noch holen werde. Pesic sagte brav: „Ja, klar.“

Doch der Gedanke an die Titelverteidigung erscheint fast anmaßend angesichts der Berliner Auftritte in den beiden bisherigen Play-off-Spielen. 1:1 steht es, heute spielen beide Teams in Berlin erneut gegeneinander (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live bei TV Berlin), am Sonntag in Leverkusen. Verliert der Meister, bei dem Pesics Einsatz wegen einer Fußverletzung fraglich ist, beide Partien, ist die Saison beendet. Über die Ursachen für das schwache Auftreten am Montag sind sich die Spieler einig: „Uns haben Power und Energie gefehlt“, sagt Centerspieler Jovo Stanojevic, „Leverksusen hatte mehr Feuer“, gibt der frühere Leverkusener John Best zu, der zu Saisonbeginn nach Berlin wechselte, um endlich Deutscher Meister zu werden. Nun könnte er gegen seinen alten Verein frühzeitig ausscheiden.

Best und seine Kollegen standen in den vergangenen Tagen vor der erstaunlichen Aufgabe, in den Play-offs, in denen es um alles oder nichts geht, auf die Suche nach innerem Feuer und der richtigen Einstellung zu gehen. Und vielleicht anzukämpfen gegen die tief im Inneren verwurzelte Annahme, dass sich schon alles richten wird und das große Alba Berlin, wie immer, irgendwie ins Halbfinale einziehen wird. Nach einem Zwölf-Punkte-Rückstand war der Meister am Montag mit einer 13:1-Serie kurz vor der Pause in Führung gegangen – und brach danach völlig ein, überrascht und überrollt von Leverkusens Tempospiel.

Alba droht an Leverkusen zu scheitern – und an sich selbst. „Wir müssen gegen uns selbst kämpfen“, fordert Stanojevic. „Jeder sollte jetzt aufwachen. Wir müssen Killerinstinkt beweisen“, sagt Best. Die ersten Ansätze dazu waren unter der Woche zu sehen. Verbissen und aggressiv gingen die Berliner im Trainingsspielchen zu Werke. „Das war ein großer Unterschied zum Spiel in Leverkusen“, sagte Mutapcic. Noch eine Merkwürdigkeit: mehr Einsatz im Training als in einem Play-off-Spiel. Die Gesichter der Spieler wirkten konzentriert, bei manchen auch angespannt. Die Mimik von Spielmacher Mithat Demirel etwa, der in den beiden Partien gegen Leverkusen wenig spielte und ebenso wenig überzeugte, verrieten, dass ihm die Situation ziemlich zu schaffen macht. „Wir sind nicht so aufgetreten, wie man es in den Play-offs muss.“ Woran es lag, darüber wollte er nicht reden. „Wir haben hundert Fehler gemacht, Punkt, aus. Es ist zu spät, darüber nachzudenken.“ Weil der Blick nach vorne statt nach hinten gehen musste. „Wir haben genug geredet“, meinte auch John Best.

Mit und ohne Trainer hat sich das Team nach dem Auftritt von Leverkusen zusammengesetzt und die Situation besprochen. Zwei Szenarien sind denkbar: Entweder die Berliner, die trotz aller gezeigten Schwächen über exzellente Einzelspieler verfügen, sind so sauer auf sich selbst, dass sie das die Leverkusener heute und am Sonntag spüren lassen. Wut würde Energie freisetzen und Alba doch noch erwartungsgemäß ins Halbfinale einziehen. Oder aber die Spieler können all die guten Vorsätze nicht umsetzen und werden von den hoch motivierten Gästen erneut ausgespielt und besiegt.

Für Alba spricht der Heimvorteil in einem möglichen fünften Spiel. In eigener Halle haben die Berliner in dieser Saison nur ein Bundesligaspiel verloren, gegen die Skyliners aus Frankfurt. Gegen die setzte sich Alba im vergangenen Jahr im Viertelfinale durch – im fünften Spiel. Wenige Wochen später war Alba Deutscher Meister.

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