Sport : Hamburger SV: 15 Millionen Mark aus der Champions League als Trost

Gegen den Ärger in der Bundesliga hilft nur Champions-League-Euphorie. Nach dem peinlichen 0:4 bei Hertha BSC will sich der in der Fußball-Bundesliga sieglose Hamburger SV nun mit dem mindestens 15 Millionen Mark bringenden Einzug in die Hauptrunde der europäischen Königsklasse trösten. Für das Qualifikations-Rückspiel gegen Bröndby Kopenhagen am Dienstag (20.30 Uhr) im Volksparkstadion haben die Hamburger mit dem 2:0-Hinspielerfolg zwar eine glänzende Ausgangsposition, doch die desolate Vorstellung der Mannschaft in Berlin lässt Fans und Klubverantwortliche zweifeln. Vereinschef Werner Hackmann spricht nach nur einem Punkt in zwei Spielen von "einem kleinen Fehlstart", Sportchef Holger Hieronymus will "weder Herz noch Leidenschaft" erkannt haben.

Bröndby hingegen gibt sich selbstbewusst. Der ebenfalls katastrophal gestartete dänische Vizemeister hat sich inzwischen gefangen und wird nun in den Medien ob seiner attraktiven und offensiven Spielweise gefeiert. Nach dem unglücklichen 0:2 gegen Hamburg fegte Bröndby in der Ersten Division Silkeborg IF 7:1 und Meister Herfölge BK mit 5:0 vom Platz. "Das Spiel gegen den HSV war gut für uns. Diese Herausforderung hat uns den richtigen Stoß nach vorn versetzt", meinte Stürmer Peter Graulund. Der 23 Jahre alte Torjäger, dem gegen Herfölge ein Hattrick gelang, glaubt: "In dieser Form packen wir es in Hamburg."

Damit das nicht passiert, will HSV-Trainer Frank Pagelsdorf eine andere Mannschaft als zuletzt aufbieten. Beste Aussichten auf eine Rückkehr ins Team hat der wieder genesene Regisseur Rodolfo Esteban Cardoso, der Sergej Barbarez ersetzen könnte. Anthony Yeboah, der wegen des Steuerprozesses eher auf der Anklagebank in Frankfurt sitzt als über den Trainingsplatz läuft, macht seit Wochen einen müden Eindruck. Als Alternative brennt der Tscheche Marek Heinz auf einen Einsatz. Torwart Hans-Jörg Butt plagt eine Verletzung im Lendenwirbelbereich, wird aber aller Voraussicht nach spielen können. Ein weiterer Wackelkandidat ist Ingo Hertzsch, der über eine Sprunggelenksverletzung und eine Zehenprellung klagt.

Schon in der Vergangenheit haben sich die Dänen als Bundesliga- Schreck erwiesen. Eintracht Frankfurt (5:0/1:4) und Bayer Leverkusen (3:0/0:0) standen 1990 im Uefa-Cup auf verlorenem Posten, der Karlsruher SC erlebte 1996 nach einem 3:1 in Kopenhagen ein 0:5-Debakel. "Aber ein neues Karlsruhe ist reine Utopie", befand Bröndby-Torhüter Morgens Krogh. Auch Kapitän Martin Groth glaubt nicht, dass die ausgelobte Erfolgsprämie von zwei Millionen Mark den HSV-Spielern noch durch die Finger rinnen könnte. Der Mittelfeldspieler sagt: "Ein 0:4 darf keinen Knacks für eine intakte Mannschaft bedeuten."

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