Sport : Hamburgs rustikale Seite

Bernd Hollerbach schont weder sich noch seine Gegenspieler

Karsten Doneck

Hamburg. In Hamburg mögen sie ihn. Dort findet seine rustikale Art Anklang. Die zahlende Kundschaft auf der Tribüne spürt: Da unten auf dem Platz steht einer, der kämpft, der gibt nie auf und immer alles, der jammert nicht, der steckt ein und teilt noch mehr aus. Bernd Hollerbach ist die Verkörperung des deutschen Kraftfußballers, ausgestattet mit einem recht eingeschränkten Repertoire an technischen Mitteln, aber immer überzeugend durch harte, ehrliche Arbeit. Ehrlich? Beim 2:0-Sieg des Hamburger SV gegen Hertha BSC hegten die Verlierer ihre Zweifel an der Redlichkeit des Bernd Hollerbach. „Hollerbach und der Linienrichter haben das Spiel entschieden“, sagte Herthas Trainer Hans Meyer – und das war alles andere als freundlich gemeint gegenüber dem Hamburger Abwehrspieler.

Bernd Hollerbach ist nicht nur eine beliebte Größe in der AOL-Arena, er ist auch eine Reizfigur für die Gegner. Weil er nicht nur kämpft, sondern auch provoziert. Herthas Dick van Burik fühlte sich von ihm hingerissen zu einer Tat, die er später bereut haben dürfte. Er stieß Hollerbach bei einer Spielunterbrechung mit der rechten Hand mäßig heftig, aber eben unfair vor die Brust. Hollerbach kippte um, als hätte ihm ein Mike Tyson in jungen Jahren die Faust direkt aufs Kinn gerammt: K. o. in der 55. Minute. Van Burik sah die Rote Karte. „So schlimm war’s nicht. Ich hätte kein Rot gezogen“, gestand Hollerbach nachher. Wenn das Spiel erst abgepfiffen ist, meldet sich auch schon mal sein Gerechtigkeitssinn.

Auf dem Fußballplatz selbst nimmt Hollerbach wenig Rücksicht, weder auf seine Gegenspieler, schon gar nicht auf sich selbst und die eigene Gesundheit – und nicht einmal auf seine Mitspieler. Nach 20 Minuten setzte er sich bei einem Abwehrversuch vor dem eigenen Tor so heftig ein, dass er mit dem Knie an den Kopf von HSV-Torwart Stefan Wächter stieß. Beide Hamburger mussten kurz medizinisch betreut werden. Hollerbach hielt durch, Wächter wurde kurz nach der Halbzeit ausgewechselt. In der Uniklinik Eppendorf wurde bei Wächter eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert.

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