Sport : Hand im Feuer

Die Tour-Teams preisen ihre internen Dopingtests – doch Zweifel sind angebracht

Sebastian Moll[Roanne]

Manch einen Mannschafts-Direktor hätte der Vorfall in Panik versetzt, doch Bjarne Riis verströmte demonstrative Gelassenheit. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagte der Chef des Teams CSC am Donnerstagabend, nachdem französische Grenzbeamte das Auto von Johnny Schleck nach Dopingmitteln durchsucht hatten. Der Ex-Radprofi aus Luxemburg war unterwegs von Bourg d’Oisans nach St.Etienne, weil er seine beiden Söhne Frank und Andy bei der Tour begleitete, zwei von Riis’ besten Männern.

Die Ruhe des Dänen war erstaunlich und sie wird sich aufgrund der neuen Nachrichtenlage von gestern Abend vielleicht auch verflüchtigen. In der Süddeutschen Zeitung heißt es, dass gegen Frank Schleck, derzeit Tour-Zweiter, und Riis im Zusammenhang mit der Doping-Affäre um den madrilenischen Arzt Eufemiano Fuentes ermittelt wird. Riis sei mehrfach mit Fahrern seiner Mannschaft bei Fuentes vorstellig geworden, sagen internationale Ermittler angeblich.

Der Teamchef Riis hatte vorher mehrfach betont: „Mein Fahrer sind sauber, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“ Das interne Testprogramm von CSC gilt allerdings als das härteste im Radsport. Der dänische Sportmediziner Rasmus Damsgaard legt langfristige Blut- und Hormonprofile der Athleten an, um sofort auf auffällige Schwankungen reagieren zu können. Die Tester sind angeblich unabhängig – die Mannschaftsleitung bekommt die Resultate erst nach der Weltantidopingagentur (Wada) und dem Radsport-Weltverband (UCI), Vertuschung scheint also ausgeschlossen.

Dieses System könnte aber auch eine ganz andere Funktion haben. Hans Michael Holczer etwa, scharfer Kritiker von mannschaftsinternen Kontrollen, glaubt, dass solche Programme dazu dienen können, wissenschaftlich an die Grenzwerte heran zu dopen. Ansonsten, so der Chef des Teams Gerolsteiner, nützten sie in erster Linie „kommunikativen Zwecken“ – ein übergeordnetes Testsystem für den gesamten Radsport sei der bessere Weg.

An den internen Kontrollen bei CSC wurden schon vor den Nachrichten vom Freitagabend Zweifel laut, weil bei drei Fahrern auffällige Blutparameter ermittelt, jedoch keine Namen benannt und auch keine Fahrer aus dem Verkehr gezogen wurden. Vorbehalte sind gegenüber Columbia und Garmin ebenfalls angebracht. Sie werden von einer Firma kontrolliert, die ausschließlich aus Mitteln der beiden Tour-Teams finanziert wird. Die Tests erfolgen zwar angeblich unangemeldet, die Ergebnisse werden aber direkt dem Team-Management bekannt gegeben, das dann vorgeblich die Fahrer sperrt. Überprüfen kann man das nicht. Journalisten können zwar Testprofile beantragen, was sie dann jedoch gezeigt bekommen, entscheidet das Team.

Dieser Transparenzmangel setzt sich bei der Beschäftigungspolitik fort. Garmins Spitzenfahrer Christian Vandevelde, derzeit Fünfter in der Tour-Gesamtwertung, war bis 2003 Helfer von Lance Armstrong und wechselte dann zum Team Liberty Seguros, dem systematisches Doping nachgewiesen wurde. Immerhin scheint Vaughters mit seinem vorgeblichen Neuanfang den Sponsor beeindruckt zu haben, der mit sechs Millionen Dollar einstieg. Holczer, der Selbstkontrollprogramme ihrer Fadenscheinigkeit wegen ablehnt, hat noch immer keinen neuen Geldgeber.

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