Sport : Handball auf Schalke

Mit kuriosen Ideen will sich Deutschland die WM 2005 holen

Klaus Rocca

Berlin. Im Kongresssaal des Hotels Pribaliskaja von St. Petersburg flimmert am Freitag ein zehnminütiger Spot über die Leinwand. Darin wird die Arena Auf Schalke zu sehen sein. Doch nicht Fußball ist das Thema, sondern Handball. In der Gelsenkirchener Arena soll am 6. Februar 2005 das Endspiel der Handball-Weltmeisterschaft stattfinden. Das hoffen zumindest Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), und Bundestrainer Heiner Brand. Sie präsentieren den Spot in der Erwartung, dass die Delegierten aus rund 100 Verbänden so beeindruckt sind, dass sie Deutschland den Zuschlag für 2005 geben.

Eindrucksvoll ist die deutsche Bewerbung allemal. Es gibt nur ein Problem: Russland, Gastgeber des ordentlichen Kongresses der Internationalen Handball-Föderation (IHF), ist neben Deutschland, Rumänien, Norwegen und Tunesien auch Bewerber. Russland hat also beim Kampf um die Veranstaltung ein Heimspiel. Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich auszumalen, wie die Delegierten vom Gastgeber umgarnt werden dürften. Man kennt solche Gastlichkeit von den Bewerbern um Olympische Spiele.

Trotzdem hat Deutschland gute Argumente. Kein anderer Bewerber kann mit ähnlichen Zuschauerkapazitäten aufwarten. Allein im Schalker Stadion mit veränderten Tribünen könnten knapp 40 000 Besucher Platz finden. Die müssten auch nicht auf die gewohnte Handballatmosphäre verzichten, denn das Stadiondach lässt sich schließen. Die Kölnarena fasst 18 000 Fans, die neue Color Line Arena in Hamburg immerhin 14 000. Mit insgesamt 300 000 Besuchern wird kalkuliert. „Der Welthandball braucht ein Riesenevent, damit der Abstand zum Fußball nicht größer wird. Wir bieten dafür die Voraussetzungen“, sagte Präsident Ulrich Strombach vor dem Abflug nach St. Petersburg.

Zu Strombachs Delegation gehört Eberhard Kilian, einer von fünf DHB-Vizepräsidenten. Kilian erinnert den Weltverband gern an die finanziellen Möglichkeiten. „Über die Werbung bekäme er bei einer WM in Deutschland weit mehr in die Kasse als anderswo.“ Als Vertreter Berlins hofft er natürlich auch auf den Zuschlag. Auch wenn die Max-Schmeling-Halle bei gerade mal 7500 Zuschauern mit den Großarenen nicht annähernd mithalten kann, auch wenn der DHB beim Supercup 1999 in Berlin ein Defizit von 80 000 Euro erwirtschaftete. Dennoch erhofft sich Berlin das Eröffnungsspiel, gemeinsam in einer Vorrunde mit Magdeburg und Leipzig weitere Partien.

Dass Berlin bei der Bewerbung um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2005 den Kürzeren zog, erhöht Berlins Chancen, bei einem Zuschlag für Deutschland Gastgeber für die Handballer zu sein. Der Senat hat längst eine Bereitschaftserklärung für eventuelle finanzielle Einbußen abgegeben, was angesichts der katastrophalen Haushaltslage nicht leicht fiel. Auch der Landessportbund (LSB) hat Berlins Bewerbung nachdrücklich unterstützt. „WM-Spiele in Berlin würden sicher auch dem ziemlich brachliegenden Berliner Handball Rückenwind geben“, hofft LSB-Präsident Peter Hanisch.

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