Handball : Die Füchse verzweifeln an Heinevetter

Die Füchse Berlin unterliegen Magdeburg 21:28, weil ihr künftiger Torwart überragend hält – beim Gegner.

Hartmut Moheit
261600_0_bb3f71d5.jpg
Die Torbremse. Magdeburgs Keeper Heinevetter stoppte sein künftiges Team, hier nimmt er Caillat den Ball ab. Foto: City-Press

 Vielleicht ist bei den Fans der Füchse Berlin wenigstens etwas Vorfreude aufgekommen. In der kommenden Saison können sie ja Silvio Heinevetter als einen der ihren bejubeln. Bei der 21:28 (6:12)-Niederlage im Spiel der Handball-Bundesliga gegen den SC Magdeburg zeigte der Gästetorhüter eine Menge von dem, was ihn in die Riege der deutschen Nationaltorhüter gebracht hat. Diesmal allerdings zum Leidwesen der Füchse, die vor 14 800 Zuschauern in ihrem zweiten Spiel in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof erneut enttäuschten.

Dass Füchse-Torhüter Petr Stochl mit 13:17 Paraden seinem künftigen Teamgefährten relativ gleichwertig war, blieb bei dem Endstand eine Randnotiz. Auch dass Kjetil Strand bei den Füchsen mit sieben Treffern (davon drei Siebenmeter) der erfolgreichste Werfer war. Bei den Magdeburgern traf Alexandros Vasilakis ebenfalls sieben Mal. Nach dieser Niederlage sind die Füchse Berlin von ihrem selbs ernannten Ziel, schon in dieser Saison einen Europacupplatz erreichen zu wollen, ein ganzes Stück weit entfernt.

Diesen Abend hatten sich die Berliner eigentlich ja auch ganz anders vorgestellt. Man wird wohl mal träumen dürfen, zum Beispiel von einem Sieg gegen den SC Magdeburg. Nichts anderes brachte Konrad Wilczynski zum Ausdruck. Man sei heiß, wolle unbedingt siegen, ließ der Österreicher in Diensten der Füchse noch vor dem Anpfiff wissen. Der Linksaußen sah als wichtigsten Vorteil seines Team „die Fans auf den Rängen“. Über deren mangelnde Unterstützung konnten sich die Füchse anfangs in der Tat nicht beklagen, die Acht-Tore- Pleite gegen Lemgo bei der Handball-Premiere in dieser Halle war offenbar völlig vergessen.

Doch die Euphorie verflog schnell. Beim 1:5 in der zehnten Minute nahm Füchse-Trainer Jörn-Lommel bereits die erste Auszeit. Die Berliner versagten im Angriff total. Keine Ideen, kein Mut, keine platzierten Würfe - der Start ging glatt daneben. Selbst als Torhüter Stochl einen Siebenmeter von Damien Kabengele hielt, blieb der erhoffte Ruck im Team aus. Magdeburg kam zu leicht zu Treffern, und die Gästefans bestimmten mehr und mehr den Ton auf den Rängen. Aber auch sie sahen ein Handball-Bundesligaspiel auf mäßigem Niveau. An Selbstbewusstsein hatte es den Füchsen vor dem Anpfiff nicht gefehlt, aber damit allein ist gegen ein Spitzenteam der Liga nichts zu holen. Die Füchse ein Angriffsteam? Das 6:12 zur Halbzeit war die Antwort darauf.

Allein dass der SC Magdeburg nicht einen größeren Vorsprung herausgeworfen hatte, ließ kühne Optimisten unter den Füchse-Fans noch hoffen. Sechs Tore Rückstand sind im modernen Handball nicht viel. Nur: Dafür hätte zu den zweiten 30 Minuten eine andere Mannschaft auflaufen müssen. Kampfgeist, eine stabilere Deckung und erfolgreiche Abschlüsse im Angriff wären die Mittel zur Wende gewesen. Doch dazu waren die Füchse wieder nicht in der Lage. Nur der Wille war gegen den Favoriten beim Tabellenzehnten da. Selbst in doppelter Unterzahl kassierten die Füchse einen Treffer (8:13/34. Minute).

Die Magdeburger Deckung wurde kaum einmal vor ernsthafte Probleme gestellt. Und die Füchse-Abwehr wiederum, die längst zum offensiven 4:2-System übergegangen war, agierte weiter instabil. Spätestens beim 11:19 (43.) war die Vorentscheidung gefallen. Technische Fehler und auch Pech beim Torwurf brachten den Gegner immer mehr in Vorteil. Einige erfolgreich abgeschlossene Angriffe der Magdeburger hatten demoralisierende Züge für die Füchse. Das 18:26 (56.) drückte das auch in der Statistik aus. So blieben die Siegambitionenwieder reines Wunschdenken. Diesmal wurde allerdings gegen eine Mannschaft verloren, die zum Spitzenquartett der Liga gehört.

Eine Chance haben die Füchse in dieser Saison nun noch für den ersten Erfolg in der neuen großen Halle. Am 10. April empfangen sie dann im Bundesliga-Duell dort den THW Kiel, das überragende Team in Europa, das zu dem Zeitpunkt bereits wieder als neuer Deutscher Meister feststehen könnte. Diese Aufgabe wird allerdings noch um ein Vielfaches schwerer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar