Sport : Handball: Die Liga lacht

Der Vorschusslorbeer für die Titelfavoriten welkt schon nach dem ersten Spiel: Mit hängenden Köpfen schlichen die Spieler von Meister SC Magdeburg am Samstag nach der überraschenden 19:20-Schlappe zum Auftakt der Handball-Bundesliga beim ThSV Eisenach vom Parkett. Ebenso kalt erwischt wurde die "deutsche Nationalmannschaft" des TBV Lemgo, die mit 26:26 bei Neuling Frisch Auf Göppingen glücklich eine Niederlage abwendete. "Die Ergebnisse sind überraschend", bilanzierte der Ligaausschuss-Vorsitzende Heinz Jacobsen, "mit so einem Ausrutscher von Lemgo beim Aufsteiger konnte man nicht rechnen. Und besonders die Niederlage von Magdeburg ist eine kleine Sensation."

Erster Tabellenführer ist unerwartet die als potenzieller Absteiger gehandelte SG Solingen durch einen 29:22-Erfolg gegen die SG Willstätt-Schutterwald. Derweil haben der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt ihre Titelambitionen unterstrichen. Der ehemalige Serienmeister demonstrierte im Spitzenspiel bei der SG Wallau-Massenheim mit dem 24:23-Sieg Stärke. Die Flensburger gewannen ihr Heimspiel mit 30:26 gegen den deutschen Rekordmeister VfL Gummersbach. "Wir hatten einen Angriff mit unglaublicher Effizienz, aber an der Abwehr müssen wir noch arbeiten", erklärte Trainer Erik Veje Rasmussen.

Die Schadenfreude der Konkurrenz haben sich die Magdeburger selbst zuzuschreiben. 13:8 (32.) führte das Team von Trainer Alfred Gislason in der mit 3140 Zuschauern ausverkauften Werner-Aßmann-Halle. Doch der formschwache Meister fand wie bereits beim Supercup-Gewinn keine Sicherheit. Vor allem in der letzten Viertelstunde baute die Mannschaft stark ab. Vom Selbstbewusstsein der vergangenen Saison war nichts zu sehen. Nationalspieler Stefan Kretzschmar formulierte seinen Unmut auf die gewohnt drastische Art: "Wir haben uns in der Phase regelrecht in die Hose geschissen, das Tor der Eisenacher nicht mehr gesehen." Auch Trainer Gislason redete Klartext: "Wir haben den Sieg weggeworfen, in der Schlussphase Nerven gezeigt. Eigentlich müssten alle wissen, dass ein Spiel 60 und nicht nur 50 Minuten dauert."

Nun wird das von der Papierform her leichte Auftaktprogramm gleich zur Feuertaufe. Denn nur vier Tage nach dem dürftigen Auftritt bei den kampfstarken Eisenachern, die den Bundesliga-Abstieg in der vorigen Saison erst in der Relegation vermieden, kommt am Mittwoch Frisch Auf Göppingen zum Heimdebüt der Magdeburger in die Bördelandhalle. Der Aufsteiger hat mit dem Unentschieden gegen den Meisterschaftsfavoriten Lemgo ein deutliches Achtungszeichen gesetzt.

Herausragender Akteur beim wichtigen Auswärtssieg des THW Kiel war der vom SC Magdeburg gekommene Nationaltorhüter Henning Fritz. "Das waren die ersten zwei Punkte, die er für uns gewonnen hat", lobte Manager Uwe Schwenker. Zu Spielbeginn jedoch schien Kiel wie beim 15:24 im Vorjahr einer herben Pleite entgegen zu laufen, als die Gastgeber mit 5:0 (5.) führten. "Am Anfang dachte ich, wir kommen unter die Räder wie im letzten Jahr. Aber dann hat Henning Fritz drei Bälle nacheinander gehalten, und es ging für uns bergauf", analysierte THW-Trainer Zvonimir Serdarusic. "Der Sieg von Kiel bei Wallau zeigt, dass mit Kiel wieder zu rechnen ist", befand Heinz Jacobsen. Getrübt wurde die Freude über den Erfolg durch die schwere Verletzung von Linksaußen Nikolaj Jacobsen, der sich nach einer ersten Diagnose eine Meniskusquetschung und eine Außenbanddehnung zugezogen hat.

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