Handball-EM : Deutsches Team arbeitet sich aus dem Tief

Die deutschen Handballer erkämpfen sich nach einem schwachen Start noch ein 34:34 gegen Slowenien. Jetzt kann der Einzug in die Zwischenrunde noch gelingen.

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Mit beiden Fäusten hatte Johannes Bitter die Brust von Oliver Roggisch traktiert, wie ein Besessener. Sein Signal vor dem zweiten EM-Spiel der deutschen Handballer gegen Slowenien war eindeutig: Wir kämpfen bis zur Schlusssekunde, wir geben auf keinen Fall auf. Und es war letztlich diese Tugend des Teams von Bundestrainer Heiner Brand, die zum ersten Punktgewinn in der Vorrunde der Europameisterschaft führte. Als sich die Slowenen in der Olympiahalle von Innsbruck schon fast sicher wähnten, nach sechs EM-Niederlagen gegen Deutschland den ersten Sieg geschafft zu haben, gelang dem Weltmeister von 2007 doch noch ein 34:34 (11:16)-Unentschieden. Damit erhielt sich die deutsche Mannschaft die Chance, mit einem Sieg am Freitag gegen Schweden in die Hauptrunde einzuziehen zu können.

„Diese Leistung verdient viel Anerkennung“, sagte der erleichterte Bundestrainer Heiner Brand. „Wie die Mannschaft sich aus dem Tief herausgespielt hat, ist unglaublich. Handballfachlich kann ich natürlich nicht zufrieden sein.“ Sein slowenischer Kollege Svonimir Serdarusic wusste nicht so richtig, ob er sich freuen oder ärgern sollte: „Mir bleibt nichts erspart, mein Team hat eine tolle erste Halbzeit geboten, den Sieg aber mit leichten Fehler noch aus den Händen gegeben.“

Mit etwas Glück auf der einen oder anderen Seite hätten zum Schluss beide Mannschaften gewinnen können. Beim 34:34 nahm Brand 32 Sekunden vor Spielende eine Auszeit, um sein Team für den vermeintlich letzten Angriff zu instruieren. Aber Holger Glandorf vergab die Siegchance. So kamen die Slowenen noch einmal an den Ball, und vier Sekunden vor Schluss legte Serdarusic die grüne Auszeitkarte auf den Kampfrichtertisch. Aber auch er konnte nichts mehr bewirken. „Das Remis gibt uns sehr viel Selbstvertrauen“, sagte der deutsche Regisseur Michael Haaß, aber auch der Slowene Vid Kavticnik war nicht unzufrieden: „Klar, wir haben hoch geführt, aber nach dem Sieg gegen Schweden hilft uns auch der eine Punkt. Wir sind noch im Aufbau.“

Das trifft auch auf die deutsche Mannschaft zu, die zunächst alle Fehler aus dem Polen-Spiel (25:27) wiederholte. Nach einer Viertelstunde hatte Heiner Brand schon fast alle Spieler ausgewechselt. Die technischen Fehler, schwachen Würfe und Deckungslücken konnte er damit aber nicht abstellen. Zweimal (11:4 und 14:7) lag Slowenien mit sieben Treffern in Führung. Sie kamen auf eine Angriffseffektivität von 53 Prozent, die Deutschen lagen bei 37 Prozent. Holger Glandorf enttäuschte auf Halbrechts ebenso wie Lars Kaufmann auf Halblinks, und die Regisseure Michael Kraus und Michael Haaß wurden ihrer Rolle nicht gerecht. Aber das Team kämpfte unverdrossen, niemand ließ den Kopf hängen, immer wieder pushten sich die Spieler gegenseitig.

Selbst als die zweite Halbzeit nach dem Muster der ersten abzulaufen schien. Als Brand dann auch noch Johannes Bitter aus dem Tor nahm und Silvio Heinevetter brachte, der keinen Ball zu fassen bekam, schien die Entscheidung bereits gefallen. Der Bundestrainer erkannte das, brachte Bitter in der 38. Minute zurück, und von da an begannen seine Spieler eine begeisternde Aufholjagd. Vor allen der Noch-Magdeburger und Bald-Lemgoer Christoph Theuerkauf wurde am Kreis mit Anspielen eingesetzt – und nutzte die Chancen auch. Lars Kaufmann traf wieder, ebenso Michael Müller, Holger Glandorf und Christian Sprenger von Außen.

Tor um Tor kamen die Deutschen den Slowenen näher, sie ließen sich auch von erfolgreichen Gegenstößen des Gegners nicht beeindrucken. Noch in der 56. Minute lagen sie mit drei Toren (30:33) zurück, aber die tobenden deutschen Fans hatten längst das Gefühl, dass noch etwa geht. Als Kaufmann den Anschlusstreffer erzielte und Theuerkauf zum 34:34 erstmals ausglich, gab es kein Halten mehr. Zum Sieg reichte es nicht mehr, dennoch hatte Johannes Bitter noch einmal Anlass, auf die Brust von Oliver Roggisch zu trommeln. Um das Unentschieden zu feiern, das moralisch ein Sieg war.

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