Handball : Fehler in Serie

Die Füchse Berlin verlieren wieder: Gegen Wetzlar reichte es nur zu einem 23:26.

Hartmut Moheit

Berlin - Wie versteinert saß Bob Hanning auf der Auswechselbank. Dass vor seinen Augen die Spieler der HSG Wetzlar im Kreis tanzten und ihre Fans immer wieder „Auswärtssieg“ intonierten, tat dem Geschäftsführer der Füchse Berlin sichtbar weh. Mit einer kurzen Handbewegung forderte er nur noch seine Spieler auf, sich ordentlich von den 3785 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle zu verabschieden, dann verließ er mit eingezogenen Schultern und hängendem Kopf die Stätte des unerwarteten Misserfolge. Dass sein Team mit 23:26 (10:14) das vierte Spiel in der Handball-Bundesliga verlieren würde, daran hatte er nun wirklich nicht geglaubt. Zwar sprach Hanning vorher von „einem unguten Gefühl“, aber er glaubte bis zuletzt an den Kampfgeist seines Teams. Hannings Fazit fiel dementsprechend aus: „Ich bin sehr traurig über diese Niederlage, aber der Sieg von Wetzlar geht in Ordnung.“ Zwei der vorher als notwendig für den Klassenerhalt prognostizierten 20 Punkte, die man sicher zu holen glaubte, fehlen nun erst einmal.

Bereits in der ersten Halbzeit verfielen die Berliner in die alten Fehler, mit denen sie sich schon in den ersten drei Spielen um den Lohn gebracht hatten. Schwache Würfe, eine Unmenge an einfachen Fehlern und Aktionen im Rückraum, die ziemlich chaotisch wirkten, brachten Wetzlar permanent in den Vorteil. Hinzu kam eine Wechseltaktik von Trainer Jörn-Uwe Lommel, bei der zwischen Deckung und Angriff bis zu drei Spieler ausgetauscht wurden. So kam viel Unruhe ins Spiel des Aufsteigers. Vom 9:10 (24. Minute) bis zum Halbzeitstand von 10:14 gelang fast gar nichts mehr. „Aber bisher konnten wir uns in der zweiten Halbzeit immer steigern“, sagte Lommel, „daran hatte ich auch diesmal wieder geglaubt.“ Aber der Coach wurde sofort erneut enttäuscht, kaum war das Spiel wieder angepfiffen. Drei Minuten später beim 10:16 forderte Lommel bereits eine Auszeit, „so konnte es nicht weitergehen“. Schließlich waren die Füchse angetreten, gegen einen vermeintlichen Konkurrenten im Abstiegskampf Boden gutzumachen. Plötzlich schienen sie sich tatsächlich aufzurappeln. Beim 17:19 (43.) waren sie fast dran, die Fans auf der Tribüne schraubten ihre Lautstärke bereits merklich hoch. Noch ein wenig mehr beim 20:21 (50.) und beim 22:23 (56.), doch der Ausgleich glückte nie.

Im Mittelpunkt stand Frank Schumann, der sich zehn Minuten vor Ende ein Stürmerfoul leistete, und vier Minuten vor Schluss nicht ins Tor traf. Auch Konrad Wilczynski, mit sechs Toren erneut bester Füchse-Werfer, traf beim 22:24 zwei Minuten vor dem Ende nicht. „Wir haben die Big Points einfach nicht gemacht“, sagte Jörn-Uwe Lommel. Seine Forderung an die Mannschaft folgte dieser Einschätzung sofort: „Diese zwei verlorenen Punkte müssen wir nun auswärts holen.“ Wir schwer das gegen Teams wird, gegen die die Füchse sich auf Augenhöhe wähnen, zeigt das Beispiel des nächsten Gegners Melsungen. Diese Mannschaft siegte gestern beim TBV Lemgo. Am Mittwoch erwartet sie nun mit viel Selbstbewusstsein die Berliner.

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