Handball : Füchse bleiben nach Sieg gegen Hannover bescheiden

Im Umfeld der Berliner Handballer wird der schnelle Sprung zum Spitzenteam erwartet. Doch in der Mannschaft weiß man um den langen Weg zu diesem Ziel.

Hartmut Moheit

Berlin - Eine Aussage des Gästetrainers Frank Carstens gefiel Füchse-Manager Bob Hanning ganz besonders. „Ich habe schnell gemerkt, dass wir in Berlin nichts holen würden, deshalb habe ich wichtige Spieler geschont. Ich denke an unser Spiel in zwei Wochen in Düsseldorf, das müssen wir gewinnen, denn da geht es gegen den Abstieg.“ Nach dem 32:24 gegen Carstens TSV Hannover-Burgdorf sagte Hanning daraufhin voller Befriedigung: „Wie sich die Zeiten ändern – früher waren wir der Gegner, gegen den es um den Klassenerhalt ging.“ Es tue mal ganz gut, in aller Bescheidenheit daran zurückzudenken.

Die Gefahr besteht derzeit tatsächlich, dass – weniger im Team der Füchse Berlin als in dessen Umfeld – der lange Weg zu einer Handball-Spitzenmannschaft unterschätzt wird. Auch deshalb sagte Trainer Dagur Sigurdsson: „Man muss sich hohe Ziele setzen, von mir aus in dieser Saison auch schon den Europacup, darf aber die Realität nicht unbeachtet lassen.“ Und diese zeigte sich auch gegen Hannover, einen Aufsteiger, der ohne Linkshänder antrat und damit von vornherein geschwächt war. „Wir haben ungewöhnlich wenige Tore aus dem Rückraum geworfen“, sagte Sigurdsson. „Ich habe nichts dagegen, wenn wir das durch Treffer aus dem Gegenstoß heraus ausgleichen können.“ Der Füchse-Trainer wies aber auf die Gefahr hin, dass es gegen ein deckungsstarkes Team und bei einem knappen Spielstand problematisch werden könne. Das Spiel gegen Göppingen, in dem in eigener Halle in den letzten sieben Minuten aus einem Fünf-Tore-Plus eine Niederlage wurde, hat er nicht vergessen.

Auffällig ist auch gegen Hannover gewesen, dass Kjetil Strand zu viele Fehler passieren, dass die jungen Sebastian Schneider und Runar Karason noch starken Formschwankungen unterworfen sind und dass es zu Torsten Laen am Kreis keine gleichwertige Alternative gibt. Und wann der routinierte Michal Kubisztal nach der Bandscheibenoperation zu alter Form findet, bleibt offen. Um gegen die Top-Teams der Bundesliga siegen zu können, werden der Füchse-Kampfgeist und die starke Deckung mit den überragenden Torhütern Silvio Heinevetter und Petr Stochl dahinter nicht ausreichen. Gegen die HSG Düsseldorf im Heimspiel am kommenden Sonntag, den zweiten Aufsteiger, besteht die Chance, weiter daran zu arbeiten. Das geht weit über den zu erwartenden Sieg hinaus. Hartmut Moheit

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