Handball : Horrorfilm in der Herzkammer

Die deutschen Handballer haben nach einem Krimi gegen Schweden den fünften Erfolg beim eigenen Supercup weiter im Visier. Die deutsche Mannschaft spielte gegen Schweden 30:30.

Erik Eggers

Halle/Westfalen - Die ersten Minuten boten Szenen wie aus einem schlechten Horrorfilm. Als Erster vergab Holger Glandorf, dann Michael Kraus, Lars Kaufmann feuerte den Ball zweimal weit über das Tor. Als Bundestrainer Heiner Brand kopfschüttelnd seine erste Auszeit nahm, waren sieben Minuten vergangen und der Handball-Weltmeister von 2007 war noch torlos gegen Schweden. Erst nach elf Minuten und 39 Sekunden brach Glandorf den Bann, als er sich durchtankte und zum 1:4 traf. Umso bemerkenswerter angesichts dieser Dramaturgie war, auf welche Weise die deutsche Handball-Nationalmannschaft wieder in das Spiel zurückkam und mit dem gerechten 30:30 (11:14)-Remis noch immer alle Chancen besitzt, das Vierländerturnier um den Supercup zu gewinnen. Als letzter Gegner am heutigen Sonntag wartet Europameister Dänemark (15.30 Uhr, live im ZDF).

Vor Anpfiff war eine Welle der Begeisterung durch das Stadion in Halle gegangen, Ostwestfalen bestätigte seinen Ruf als Herzkammer des deutschen Handballs: Hier hatte sich 2007 das Brand-Team in einen Rausch gespielt und den WM-Titel gewonnen. Doch der schwache Beginn sorgte für Entsetzen unter den 10 400 Fans. In einer solchen Verfassung hat die deutsche Mannschaft bei der anstehenden EM in Österreich kaum eine Chance auf das Halbfinale. Dort warten in der Vorrunde neben Slowenien und Polen erneut die Schweden. „Das Problem war, dass uns in der ersten Halbzeit die Leidenschaft, der Kampfgeist und die Begeisterung in der Abwehr fehlten, obwohl wir das als unerfahrene Mannschaft unbedingt benötigen“, sagte Brand.

Die Ansprache des 57 Jahre alten Gummersbachers in der Pause jedoch wirkte: Plötzlich verteidigte sein Team aggressiv und erarbeitete sich so Ballgewinne und Treffer aus Tempogegenstößen. Auch Lars Kaufmann, der als Ersatz für Pascal Hens bei der EM in Österreich eine wichtige Rolle einnehmen wird, traf nun von der halblinken Position im Rückraum nach Belieben und wurde mit sechs Treffern noch zum besten deutschen Schützen. Beim 18:18 glich der Gastgeber erstmals aus, kurz darauf erzielte Glandorf die erste deutsche Führung, wenig später stand es sogar 26:22.

„Doch dann haben wir wieder geschwächelt und sind in ein Tief geraten“, sagte Linksaußen Dominik Klein. Die Schweden drehten nun ihrerseits das Spiel. Als Glandorf sich Sekunden vor Schluss einen Fehlpass erlaubte, kamen die Schweden zum Tempogegenstoß, den Sven-Sören Christophersen nur auf Kosten eines Siebenmeters stoppen konnte. Doch Torwart Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin parierte gegen Fredrik Petersen, unter dem Jubel der Fans.Erik Eggers

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben