Sport : Handball ohne Ball

Wie Trainer Kljaic den VfL Gummersbach abhärtet

Hartmut Moheit

Berlin - Es gab eine Zeit, da las Frank von Behren die Berichte über den VfL Gummersbach ungern. „Darin wurde uns oft der Teamgeist abgesprochen“, sagt der Handball-Nationalspieler. Am schlimmsten war es, als der VfL-Aufsichtsratschef Hans-Peter Krämer sogar sagte: „Das sind alles brave Schwiegersöhne, die der Weichbrötchen-Generation angehören.“ Diesen Ruf wurden die Spieler des Bundesligisten bis zum Saisonstart nicht los. Der fünfte Platz und die EHF-Cup-Qualifikation genügten beim oberbergischen Traditionsverein nicht.

Mit dem neuen Trainer Velimir Kljaic sind die Gummersbacher auf bestem Wege zum neuen Image. Als Einstand brachte der 58 Jahre alte Kroate gleich kernige Sätze mit: „Ich möchte Gummersbach zu altem Glanz verhelfen. Unser Minimalziel ist der dritte Platz, damit ein Platz in der Champions League. Außerdem wollen wir ins Finale des EHF-Pokals und ins Pokal-Final-Four.“ Kljaic mag Trainer nicht, die „den fünften Rang als Ziel verkünden und sich dann, wenn sie Dritter werden, als Helden feiern lassen“.

Das Team des Rekordmeisters hat schnell zu spüren bekommen, was hohe Ziele im Trainings-Alltag bedeuten. „Es geht bei ihm hart zur Sache, halbe Sachen gibt es nicht“, erzählt von Behren. Der vermeintliche Mangel an Teamgeist und Härte hatte sich bis zu Kljaic herumgesprochen, der als Trainer nicht mehr der Feuerkopf von einst ist. „Ich habe zwischenzeitlich die Frauen von Lokomotiva Zagreb zum Meistertitel geführt“, sagt Kljaic. „Wenn du mal Frauen trainiert hast, wirst du automatisch ruhiger.“

Ruhiger heißt nicht, dass er weniger Engagement zeigt. Zur speziellen Härteschulung hat Kljaic im Training Handball ohne Ball eingeführt. Die Bewegungsabläufe bleiben gleich, aber die Konzentration auf das Zweikampfverhalten ist ohne Ball viel größer. Er nennt das eine seiner Spezialmethoden, weitere möchte Kljaic aber für sich behalten. „Das Pentagon gibt ja seine Neuigkeiten auch nicht alle an die Öffentlichkeit“, erzählt er.

Spätestens Anfang Dezember möchte er den VfL jedenfalls so weit haben, dass er seiner Rolle als Geheimfavorit der Bundesliga gerecht werden kann. Zwar steht das Team nach drei Spielen mit 6:0-Punkten in der Tabelle auf Rang zwei, aber beim 27:26 am Dienstagabend in Göppingen hat Kljaic einige Mängel gesehen. „Nur der Kampfgeist war in Ordnung“, kritisiert er.

Kurz vor Schluss hatte Göppingen im Überzahlspiel die Ausgleichschance verpasst. In einer umkämpften Partie waren VfL-Torhüter Ramota und der französische Nationalspieler Houlet mit acht Toren die Matchwinner. Von Behren sah in der Schlussphase die Rote Karte nach drei Foulspielen. Für ihn ist die dritte Herausstellung am Tag danach längst kein Aufreger mehr. Von Behren lobt vielmehr den Teamgeist, „der zum Erfolg geführt hat“.

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