Handball : Oleg Velyky - Kampf und Hilfe

Sein starker Wille ist gefordert: Nach seiner Krebserkrankung verspricht Handball-Nationalspieler Oleg Velyky: "Ich komme wieder"

Hartmut Moheit
Velyky
Volle Kraft voraus. Oleg Velyky -Foto: AFP

BerlinWas eigentlich ganz normal gewesen wäre, könnte am kommenden Samstag zur Besonderheit werden: Oleg Velyky möchte von der Tribüne aus dem HSV Hamburg den Rücken stärken. „Er hat uns gesagt, dass er alles versuchen wird, in der Halle zu sein“, sagt HSV-Geschäftsführer Peter Krebs vor dem Spiel in der Champions League gegen die SG Flensburg-Handewitt. Velyky möchte damit zum einen die Verbundenheit mit seinem Verein demonstrieren, zu dem er erst im Januar gewechselt war und für den er noch kein Spiel bestritten hat. Zum anderen aber, was viel schwerer wiegt, Lebensnormalität zurückerlangen.

Der 30 Jahre alte Handball-Nationalspieler ist erneut an Krebs erkrankt, fünf Jahre nach der ersten derartigen Diagnose. Und erneut, wie schon nach dem damaligen Schock, gibt sich Velyky kämpferisch: „Es hilft nicht zu jammern. Ich sehe das Leben positiv.“ Hoffnung haben ihm die Ärzte gemacht, die ihn bereits wieder operiert haben und ihm mitteilten, dass er nach dem Ende der Therapie recht schnell wieder spielen könne. Schnell? Oleg Velyky kuriert gerade auch einen Meniskuseinriss aus, der ihm nach Aussage von Peter Krebs „einen Einsatz erst in der kommenden Saison möglich macht“. Dass es dazu kommen wird, daran glaubt auch Heiner Brand ganz fest. „Oleg hat schon nach seiner ersten Erkrankung ein großes Kämpferherz bewiesen“, sagt der Bundestrainer, der den gebürtigen Ukrainer als „außergewöhnlichen Spieler“ bezeichnet, der „unfassbar viel Pech in seiner Karriere“ hat. Es stehen ja nicht nur die Krebserkrankungen und die im EM-Auftaktspiel in der vierten Minute gegen Weißrussland erlittene Knieverletzung in Velykys Krankenakte, allein seit 2006 zwangen ihn ein Kreuzbandriss und eine Sehnenverletzung zu längeren Pausen. So gehörte er zwar zum deutschen Team, das 2007 Weltmeister wurde, aber eingesetzt werden konnte er nicht.

Martin Schwalb, sein neuer Trainer beim HSV Hamburg, war angesichts des erneuten Rückschlags für Velyky fassungslos. „Das ist schon sehr tragisch“, sprach er das aus, was sie derzeit nicht nur beim HSV Hamburg denken. Aber dort fühlt man sich natürlich besonders verpflichtet, dem Teammitglied zu helfen. „Oleg wohnt ja noch im Raum Heidelberg/Mannheim, aber er braucht nur sein Einverständnis geben, dann besorgen wir ihm sofort eine Wohnung in Hamburg“, sagt Peter Krebs und ergänzt: „Wir haben auch viele Kontakte zu ausgezeichneten Ärzten, wenn er sie nutzen möchte, dann helfen wir ihm.“

Oleg Velyky soll wissen, was ja nach der sehr kurzen Zeit seiner Zugehörigkeit zum HSV nicht ganz einfach ist, dass bei diesem Verein nun auch sein Zuhause ist. „Wir wollen ihm vor allem moralisch den Rücken stärken“, sagt Krebs, der auch „die Unterstützung für die Familie“ darin einbezieht. Unmittelbar vor der EM im Januar in Norwegen war Velyky, der seit April 2004 einen deutschen Pass besitzt, für rund 200 000 Euro vorzeitig von den Rhein-Neckar Löwen zum HSV gewechselt. Ursprünglich sollte der Wechsel erst im Sommer dieses Jahres vollzogen werden. Velyky kniete sich förmlich in seine neue Aufgabe, wollte dem Team vor allem in der Champions League helfen. Dafür hatte der HSV ihn verpflichtet, und Heiner Brand hatte bis zur EM ihn ihm bereits wieder „eine wesentliche Verstärkung der Nationalmannschaft“ gesehen. Seitdem hat Velyky nicht mehr Handball gespielt. Sollte er nun am Samstag in der HSV-Arena zuschauen können, wäre das sicherlich ein sehr hoffnungsvolles Signal – für alle Seiten. Nur Oleg Velyky selbst wird nichts Besonderes daran finden. Er hat ja versprochen: „Ich komme wieder!“

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