Handball-Pokal : Hoch im Norden

Kiel gewinnt in Hamburg den Handball-Pokal und strebt eine perfekte Saison an.

Hartmut Moheit

HamburgWie versteinert saß Kyung-Shin Yoon auf der Wechselbank, 45 Minuten lang hatte der Südkoreaner vom HSV Hamburg alles gegeben, war mit elf Toren auch der erfolgreichste Spieler, aber dennoch war es für ihn ein schlechter Sonntag. Yoon musste sich die letzte Viertelstunde des Spiels verletzt ansehen, und zum Gewinn des ersten nationalen Titels reichte es auch nicht. Um ihn herum jubelten nur Spieler des THW Kiel, die in einem hochklassigen Finale erneut deutscher Pokalsieger wurden. 32:29 (17:18) stand es nach 60 Minuten in der Hamburger Arena groß auf der Anzeigetafel, und Yoon mochte überhaupt nicht mehr nach oben schauen. Seit zwölf Jahren ist er in Deutschland, im Mai wird er in seine Heimat zurückkehren, und diesen einen Titel wollte er unbedingt im Gepäck haben. „Ich war so heiß darauf“, sagte er enttäuscht, aber das traf auf alle Spieler in diesem Handball-Endspiel zu. Dass Yoon schließlich als bester Spieler des Final Four ausgezeichnet wurde, war für ihn nur ein schwacher Trost.

Alle hatten sie sich vor 12 800 Zuschauern noch einmal voll dafür ins Zeug gelegt, obwohl die Kraft von Spiel zu Spiel zu diesem Saisonzeitpunkt immer weniger wird. „Kraft kommt aus dem Kopf“, sagte HSV-Trainer Martin Schwalb. Und er habe sein Team mental noch nie schwach gesehen. Insofern mache er sich auch kaum Gedanken darüber, wie es die Saison bei diesem enormen Aufwand überstehen soll. „Und wenn wir nur noch sieben Spieler haben, dann werden auch die Vollgas geben“, versprach Schwalb. Zum Ende der Saison werden seine Nationalspieler im Team etwa 70 Spiele bestritten haben. Titel aber gibt es nur wenige. Den ersten Erfolg holte sich einmal mehr der THW Kiel, weil sich die Mannschaft nach Aussage ihres Trainers Svonimir Serdarusic „in der zweiten Halbzeit enorm gesteigert hat“.

Selbst eine Phase, in der sich alles noch für die Hamburger zu wandeln schien, gab letztlich den Kielern entscheidende Kraft. Der sonst so ruhige Serdarusic hatte sich beim 25:23 (45. Minute) für sein Team, als der HSV einen Fünf-Tore-Rückstand nach und nach aufholte, derart über eine Schiedsrichterentscheidung erregt, dass er Rot sah und damit der THW zwei Strafminuten bekam. Plötzlich war die Mannschaft sogar zwei Spieler in Unterzahl, aber drei Minuten später hieß es 27:23. Das alles erlebte Kyung-Shin Yoon bereits von außen. Gegen die überragenden Kieler Nikola Karabatic (9 Tore), Vid Kavticnik (8) und die Regie von Stefan Lövgren fand der Cup-Gastgeber keine entscheidenden Mittel mehr.

Während nun der THW Kiel erneut die Chance hat, wie schon im vorigen Jahr das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal zu gewinnen, bleibt dem HSV vor allem die Chance in der Champions League. In der Bundesliga liegt die Mannschaft bereits vier Punkte hinter Kiel. Im Halbfinale der Champions League trifft Schwalbs Mannschaft am kommenden Sonntag in Spanien auf Ciudad Real. Da Kiel gegen den FC Barcelona ebenfalls in dieser Runde antritt, ist sogar ein großes deutsches Finale möglich. Für Kyung-Shin Yoon wäre das die große Chance zur Revanche. Nur Pokalsieger in Deutschland kann er nun nie mehr werden.

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