Sport : Handball-WM:Jung sein ist keine Ausrede

Hartmut Moheit

Berlin - Ursprünglich sollte ja alles ganz anders laufen. Henning Fritz erinnert sich sehr ungern an den Tag, als Tunesien die Handball-WM für 2005 zugesprochen wurde. Deutschland hatte auf dem IHF-Kongress am 23. November 2002 in St. Petersburg mit 44:46-Stimmen den Kürzeren gezogen. „Hätten wir damals den Zuschlag bekommen, womit wir alle auch fest gerechnet hatten, dann sähe die Nationalmannschaft heute noch ganz anders aus“, sagt der derzeit verletzte Weltklasse-Torhüter vom THW Kiel. „Nicht Olympia in Athen wäre für die zurückgetretenen fünf Spieler der Höhepunkt zum Abschluss ihrer Nationalmannschafts-Karriere gewesen, sondern die WM im eigenen Land.“

Dazu ist es bekanntlich nicht gekommen, Deutschland hat die Welttitelkämpfe 2007 erhalten, und damit war Bundestrainer Heiner Brand zu einem radikalen Umbau des Teams gezwungen. Gestern ist er mit einer Mannschaft in die tunesische Küstenstadt Sousse gereist, der wegen ihres Altersdurchschnitts von nicht einmal 25 Jahren ein Außenseiterstatus angeheftet wird. Die Vertreter der selbst ernannten „stärksten Liga der Welt“ als Spielball der anderen Teams? Das möchte Henning Fritz so nicht gelten lassen: „Die Jungs haben sich alle in der Bundesliga durchgesetzt, damit haben sie auch ihre Qualitäten.“ Er sieht sogar einen Vorteil darin, dass außerdem mit Stephan, Baur und ihm drei Leistungsträger fehlen, mit denen Brand für 2007 rechnet. „Da kann sich wenigstens in Tunesien keiner hinter den Routiniers verstecken, jeder muss Verantwortung tragen.“

Ein Alibi für ein frühes Ausscheiden bei der WM gibt es jedenfalls von Fritz nicht. „Die Mannschaft kann frech spielen, ist konditionsstark und sollte mit den zwei Siegen gegen Tschechien genügend Selbstvertrauen haben“, sagt er. Gerade das 29:27 am Donnerstag in Berlin sieht Fritz als WM-Wegweiser. Vieles klappte nicht, aber der Sieg wurde letztlich erkämpft. So muss es laufen, der gute Ruf steht schließlich auf dem Spiel.

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