Handballprofi mit 42 Jahren : „Meine Frau weiß, dass ich verrückt bin“

Der frühere Handball-Nationalspieler Thomas Knorr kehrt noch einmal in die Bundesliga zurück - mit 42 Jahren. Heute könnte er für Magdeburg sein 500. Erstligaspiel absolvieren.

von
Wie die Zeit vergeht… Kreisläufer Thomas Knorr (Mitte) bei Olympia 1996 gegen Spaniens Talant Duschebajew (links).
Wie die Zeit vergeht… Kreisläufer Thomas Knorr (Mitte) bei Olympia 1996 gegen Spaniens Talant Duschebajew (links).Foto: imago

Thomas Knorr, 42, warf in 83 Länderspielen für Deutschland 199 Tore. Heute spielt er für den SC Magdeburg gegen Melsungen - nach Christian Schwarzer (600) und Volker Zerbe (586) wäre er erst der dritte Feldspieler mit 500 Bundesliga-Spielen.

Herr Knorr, was machen die Knochen?

So weit, so gut. Für mein Alter kann ich mich nicht beklagen.

Andernfalls kommt man auch nicht auf die Idee, mit 42 Jahren sein Comeback in der Handball-Bundesliga zu geben.

Stimmt. Das ist aus einer Schnapsidee entstanden. Ich habe beim Krafttraining in Bad Schwartau Kjell Landsberg getroffen, einen alten Mitspieler und aktuellen Kreisläufer des SC Magdeburg. Er hat mir von seiner Verletzung erzählt und dass im Moment auch alle anderen Kreisläufer der Magdeburger ausfallen. Da habe ich aus Spaß gesagt, dass ich mich für zwei, drei Spiele an den Kreis stellen würde. Kjell hat dann seinen Trainer angerufen und ihm davon erzählt …

… und am selben Abend hat sich Frank Carstens bei Ihnen gemeldet, der Trainer des SC Magdeburg ...

… und die Geschichte nahm ihren Lauf. Frank musste mich auch nicht überreden, wir waren uns schnell einig. Für mich ist das eine coole Geschichte, um mit dem professionellen Handball abzuschließen. Im Moment habe ich so viel Spaß wie selten zuvor in meiner Karriere.

Sie haben während Ihrer Laufbahn immer für Traditionsklubs gespielt, unter anderem für Flensburg und Kiel. Wie wichtig war der Handball-Standort Magdeburg?

Ich hätte das sicher nicht für jeden Verein gemacht, der SCM ist ein besonderer Klub. Aus meiner damaligen Zeit hatte ich die Magdeburger als großen Konkurrenten in Erinnerung, in die Bördelandhalle ist man als Gastteam ungern gefahren. Umso schöner war es jetzt für mich, im SCM-Trikot die Halle zu betreten.

2007 hatten Sie Ihre Karriere nach 497 Bundesliga-Spielen eigentlich bereits beendet. Heute im Spiel gegen Melsungen könnten Sie nun doch noch als dritter Feldspieler überhaupt die 500er-Marke knacken.

Ganz ehrlich: Darauf habe ich gar nicht geachtet, aber es rundet die Geschichte natürlich ab. Das Spiel gegen Melsungen könnte ja auch tatsächlich mein letztes sein. Die Vereinbarung mit Magdeburg läuft zwar bis Saisonende, aber in der nächsten Woche kommen einige Verletzte zurück. Mein Hotelzimmer in Magdeburg ist jedenfalls erst mal nur bis Dienstag gebucht, dann fahre ich in Richtung Heimat.

Und dann versuchen Sie, Ihre Frau von einem weiteren Engagement zu überzeugen?

Das muss ich gar nicht. Meine Frau weiß, dass ich positiv verrückt bin und Handball immer mit großer Leidenschaft betrieben habe. Das Spiel war mehr als mein Beruf. Auch nach der Karriere habe ich regelmäßig Sport gemacht. Insofern hat es meine Frau nicht wirklich überrascht.

Zuletzt haben Sie in der Oberliga Schleswig-Holstein gespielt, beim Preetzer TSV. Ganz ohne Handball geht es nicht, oder?

Für mein Comeback war das sehr hilfreich, weil ich eine gewisse Grundfitness mitgebracht habe, die man zwangsläufig braucht. Aber von der Intensität her war es eine gewaltige Umstellung. Trotzdem bin ich zufrieden: Es geht zwar nicht mehr so leicht und locker wie früher, aber ich bewege mich auf gutem Niveau.

Ist eine Rückkehr im Alter von 42 Jahren nur im Handball möglich, also in einer Sportart ohne Wechselkontingent?

Im Fußball ist es wohl ausgeschlossen, weil man als Trainer davon ausgehen muss, dass der Spieler 90 Minuten durchlaufen kann. Insofern ist Handball im Vorteil, klar, da kann man permanent zwischen Angriff und Abwehr wechseln. Es gibt aber viele Beispiele, wo man auch im hohen Alter noch gute Leistungen zeigen kann. Eishockey zum Beispiel.

Tomas Svensson, eine schwedische Handball-Legende und zuletzt für die Rhein-Neckar Löwen im Einsatz, hat auch bis zum Sommer noch Bundesliga gespielt.

Und Tomas ist drei Jahre älter als ich – allerdings war er auch nur Torwart. Die Voraussetzung für solch Verrückte wie uns ist, dass man seinen Körper als Kapital betrachtet und schonend mit ihm umgeht. Auch ich hatte viele Verletzungen in meiner Karriere, die ich aber alle ordentlich auskuriert habe. Ich will schließlich nicht nur Handball spielen, sondern prinzipiell fit durchs Leben gehen.

Das Gespräch führte Christoph Dach.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar