Sport : Handwerker und Hammerwerfer

Zu den Schlüsselqualifikationen einer Fußballführungskraft gehört die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt ausfallend zu werden. Das nennt man dann Brandrede oder Kopfwäsche, und es hinterlässt eine befreiende Leere in Fußballerhirnen. Der Meister des Genres, Franz Beckenbauer, weiß, wie man seine Spieler kunstvoll als "Rumpelfüßler" oder "Handwerker" zusammenstaucht. Lichte Momente treiben selbst mäßig erfolgreiche Übungsleiter zu rhetorischen Höhen. "Ihr Hammerwerfer" nannte etwa Uwe Reinders einst seine Rostocker Kicker. Eher B-Film-Format zeigte jüngst der Cottbuser Eduard Geyer ("Wie Nutten auf St. Pauli").

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Edgar Geenen ist nun zu weit gegangen. Edgar wer? Richtig, das war doch dieser farblose Fußballhandlungsreisende, der zwischen Krefeld-Uerdingen und München-Giesing bislang kaum Schaden angerichtet hat. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Geenen durch seine Affäre mit Frau Häßler, Gattin des gleichnamigen Fußball-Weltmeisters. Bei 1860 München deshalb nicht mehr vermittelbar, hat es Geenen inzwischen zum Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg gebracht, immerhin Aufsteiger in die Erste Liga. Und dort versuchte sich Geenen jetzt an der großen Form. Weil es mit dem Kicken beim FCN zuletzt nicht recht klappte, marschierte Geenen in die Kabine und beschimpfte seine Angestellten als "Abschaum", "Müll" und Schlimmeres. Von besorgten "Bild"-Zeitungsreportern zur Rede gestellt, schob Geenen nach, dass er nichts bereue. Nun hat der Mann die Gewerkschaft am Hals. Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler spricht von "grober Beleidigung" und fordert eine öffentliche Entschuldigung.

Schließlich kann man seinem Ärger auch arbeitnehmerfreundlich Luft verschaffen. Unser Beispiel kommt wie so oft aus dem Land des Weltmeisters, Frankreich. Bernard Tapie, Sportdirektor beim derzeit erfolglosen Klub Olympique Marseille, wurde auch ausfallend und im Gegensatz zu Geenen, der nur mit Prügel gedroht hat, sogar handgreiflich. Doch Tapie kühlte sein Mütchen an einem übellaunigen Fernsehreporter. Seine wehrlosen Angestellten ließ er in Ruhe.

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