Sport : Hanka Kupfernagel: Leichter Sieg, große Pläne

Claus Vetter

Vorgestern Sydney, gestern Singapur und Frankfurt (Main) und heute das Katzbach-Stadion im Kreuzberger Viktoriapark. Jetlag? Hanka Kupfernagel lacht. "Nein, es geht mir schon ganz gut. Außerdem ist ja schönes Wetter." Am frühen Montagnachmittag war die Silbermedaillengewinnerin im olympischen Straßenrennen von Sydney erst in Berlin eingetroffen, keine 24 Stunden später ging sie beim 36. Internationalen Querfeldein-Radrennen im Viktoria-Park an den Start. Doch mit den Gedanken ist Kupfernagel noch irgendwo zwischen Sydney und Berlin. "In Sydney und beim Umsteigen in Singapur war das Gepäck noch da. In Frankfurt ist dann alles verloren gegangen", erzählt die 26-Jährige. Immerhin, die Taschen seien am Dienstagmorgen wieder aufgetaucht. "Von den Rädern fehlt aber immer noch jede Spur."

Einige Zuschauer hatten die Olympiazweite in ihrer Heimatstadt sofort erkannt, gratulierten ihr. Unstrittig ist, dass Kupfernagel mit ihrem Auftreten in Australien einen weiteren Popularitätsschub erfahren hat, wenn auch der Bekanntheitsgrad weiterhin noch ausbaufähig zu sein scheint. "Kennste Hanka Kupfernagel?", fragt ein telefonierender Zuschauer in sein Handy. "Ne? Na, dann schlaf weiter." Das Katzbach-Stadion war eine Stunde vor dem Start des "Zugpferdes" der Veranstaltung des BRC Zugvogel nur spärlich gefüllt, auch später sollte es auf den Tribünen und an der Strecke auf dem Kreuzberg nicht viel voller werden. Warum tat sich die Hauptdarstellerin des Tages dennoch den Stress überhaupt an? "Ich denke, dass solche Veranstaltungen für den Radsport in Berlin wichtig sind", meinte Kupfernagel. "Es ist doch unglaublich, was der Walter Fechner vom BRC Zugvogel mit seinen 87 Jahren auf die Beine stellt. Früher waren bei diesem Rennen mal über

20.000 Zuschauer an der Strecke. Da muss was getan werden. Deswegen ist es wichtig, dass ich mich hier zeige."

Siegerehrung und Blumenstrauß gab es für Hanka Kupfernagel ausnahmsweise schon mal vor dem Start. Im Laufschritt eilte der rührige Veranstalter Fechner zu der Heldin von Sydney, durch den Lautsprecher krächzte im Hintergrund eine Sieger-Fanfare. Das Frauenrennen startete kurze Zeit später, 90 Sekunden hinter dem der Junioren. Das übersichtliche Feld von elf Teilnehmerinnen fiel sehr schnell auseinander. Die Dramaturgie des Rennens war auch eher belanglos. Die Überlegenheit der amtierenden Cross-Weltmeisterin erwies sich als erwartet groß. Nach einer Runde bereits hatte Kupfernagel alle Konkurrentinnen abgehängt, in der zweiten von sechs Runden überholte sie die ersten der vor ihr gestarteten männlichen Junioren. Und als die Zweite des Damenrennens ins Ziel kam, war Kupfernagel nicht mehr auf der Tartanbahn des Katzbach-Stadions zu sehen, sondern schon an ihrem Auto. Die Saison sei für sie noch nicht beendet, trotz der Silbermedaille, dem "Höhepunkt meiner Karriere", erzählt sie. Nach dem achten Platz beim Einzelzeitfahren in Sydney müsse in diesem Jahr noch etwas kommen. "Ich war schon enttäuscht", sagte Kupfernagel, "deshalb werde ich auf jeden Fall noch bei der Weltmeisterschaft starten."

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