Hansi Müller wird 60 : Das erste Teenie-Idol des deutschen Fußballs

Hansi Müller wurde mit Deutschland Europameister, Vize-Weltmeister und gehört zu den ganz Großen in der Geschichte des VfB Stuttgart. Am Donnerstag feiert er seinen 60. Geburtstag.

Hansi Müller vor dem Start der Saison 1980/81.
Hansi Müller vor dem Start der Saison 1980/81.Foto: Michael Dick/dpa

Das Schlagwort vom „schönen Hansi“ werde er in diesem Leben wohl nicht mehr los, sagt Hansi Müller. Schließlich schaffte er es Ende der siebziger Jahre als junger Profi mehrmals auf das Titelblatt der „Bravo“. Damit wurde Müller, der am Donnerstag 60 Jahre alt wird, zum ersten „Teenie-Idol“ des deutschen Fußballs – auch wenn sich nur noch die Älteren unter den Fans des VfB Stuttgart daran erinnern. „Ich habe damals 250.000 Autogrammkarten im Jahr gebraucht“, erzählt der einstige Spielmacher mit feinem linken Fuß und herausragender Technik.

Er sei halt ein dunkler Typ, habe einen eleganten Fußball gespielt und dazu keine krumme Nase, das habe den Leuten gefallen. Darauf eingebildet habe er sich aber nichts. Dennoch habe man den Frauenschwarm Anfang 20, als er durchgestartet sei, ein paar Mal auf den Boden zurückholen müssen. Das hat offensichtlich gewirkt: Der Europameister von 1980 und Vize-Weltmeister von 1982, der 42 Mal für Deutschland spielte, ist neben Spielern wie Robert Schlienz, Jürgen Klinsmann oder aktuell Sami Khedira einer der ganz Großen in der Geschichte des Bundesligisten VfB.

So groß wie an seinem 50. Geburtstag wird Müller zehn Jahre später nicht mehr feiern. 2007 hatte er das verlorene WM-Finale von 1982 gegen Italien wieder aufleben lassen - vor 40.000 Zuschauern im Stuttgarter Stadion. Die Stars von früher waren fast alle gekommen - einschließlich der Gastspieler Michael Schumacher und Eros Ramazzotti. So schön, wie es damals auch war: Dieses Mal gebe es „das volle Kontrastprogramm“, sagt Müller. Mit 30 Gästen aus dem engsten Kreis will er in einem Biergarten im Remstal feiern.

Trotz vieler Verletzungen blickt Müller positiv zurück auf seine Karriere, die ihn von 1982 an auch für zwei Jahre zu Inter Mailand nach Italien führte. „Ich habe 15 Jahre als Profi Gas gegeben und dann 15 Jahre in der Profivermarktung. Dafür bin ich dankbar“, sagt der frühere klassische „Zehner“. Und weil er der Typ sei, der das Glas „halbvoll und nicht halbleer“ sehe, habe er mit seinem Sechzigsten kein Problem. „Ich bin gefordert im Leben, ich habe noch so viel vor.“

2015 trat er als Aufsichtsrat des VfB zurück

Zum einen hält das VfB-Ehrenmitglied regelmäßig vor Unternehmern Motivationsvorträge und sitzt seit 2014 im Gemeinderat seines Wohnorts Korb, zum anderen fordere ihn die Familie, besonders in Person seines siebenjährigen Sohnes Sandro.

Dass er noch einmal ein „junger“ Familienvater wurde, hat viel mit einem Schicksalsschlag zu tun, den er wegstecken musste. 2005 starb nach 28 gemeinsamen Jahren seine Frau Claudia, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, an Krebs. Doch wenig später lernte er seine heutige Partnerin kennen - und wurde noch einmal Vater. „Man kann an solchen Extremsituationen auch wachsen“, erklärt Müller, der seine Spielerkarriere 1990 beim FC Swarowski Tirol in Innsbruck beendete.

Der VfB Stuttgart nimmt bei Hansi Müller – und in seinem Haus in Korb – immer noch einen besonderen Platz ein.
Der VfB Stuttgart nimmt bei Hansi Müller – und in seinem Haus in Korb – immer noch einen besonderen Platz ein.Foto: Marijan Murat/dpa

Auch mit dem VfB machte Müller nicht nur schöne Erfahrungen. Im Mai 2015 trat er als Aufsichtsrat zurück, nachdem er vorschnell ausgeplaudert hatte, was ohnehin jeder wusste: Dass Alexander Zorniger neuer Trainer des fünffachen deutschen Meisters würde.

So wie der VfB 1977 mit Müller aufstieg, so hat er gerade die Rückkehr in die Bundesliga geschafft. Toptalente aus der eigenen Jugend wie damals Müller und Karl-Heinz Förster sind heute aber nicht zu sehen. Mit dem Trainer Jürgen Sundermann starteten die Stuttgarter damals durch und etablierten sich gleich im oberen Tabellendrittel.

Dass der heutige VfB-Präsident Wolfgang Dietrich schon in wenigen Jahren die Nummer drei in Deutschland sein will, findet Müller nicht verwerflich. „Das ist hoch angesetzt, aber warum nicht?“ Manchmal gehe es auch schnell nach oben - siehe die Karriere von Müller. (dpa)

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