Sport : Harmloser SV

Hamburg verliert 0:1 bei ZSKA Moskau

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Moskau - Der Wunsch von Thomas Doll war nur allzu verständlich. „Wir wollen zeigen, dass wir zu Recht in der Champions League sind“, sagte der Trainer des Hamburger SV. Das Vorhaben misslang dann allerdings. Völlig verdient, weil die eigene Offensive so gut wie gar nicht stattfand, verlor der HSV auch sein zweites Gruppenspiel in der Champions League. 0:1 (0:0) unterlagen die Hamburger bei ZSKA Moskau nach einer von beiden Mannschaften sehr fahrig geführten Partie. Der HSV hatte schon das erste Gruppenspiel daheim mit 1:2 gegen den FC Arsenal verloren. Nächster Gegner ist am 17. Oktober auswärts der FC Porto.

Das einzige Tor der Moskauer fiel nach einer knappen Stunde. Es entsprang einer brasilianischen Zusammenarbeit. Den Eckball von Carvalho versenkte Dudu mit dem Kopf im Tor. „Wenn man schläft, dann gerät man eben in Rückstand“, grollte Thomas Doll. Der Hamburger Boubacar Sanogo stand in der spielentscheidenden Szene viel zu weit weg vom Torschützen. Und nicht nur in dieser Szene. Schon unmittelbar vor der Pause war Carvalho nach einem Eckball der Moskauer relativ freistehend zum Kopfball gekommen, wieder stand Sanogo eher zuschauend in der Nähe. Sanogos fußballerischer Auffassungsgabe scheinen offenbar Grenzen gesetzt.

Und als sich der HSV in der Schlussphase endlich aufraffte, ZSKA-Torwart Akinfejew auch einmal ein wenig Beschäftigung zu verschaffen, unterlief dem holländischen Schiedsrichter Jan Wegereef ein schwerer Irrtum zuungunsten des Bundesligisten. Benjamin Lauth, sechs Minuten zuvor zur Verstärkung des Angriffs eingewechselt, stieg zu einem Kopfballduell gegen Schirkow in die Höhe. Mit Folgen: Schirkow griff sich theatralisch ins Gesicht. Ellenbogenstoß, entschied Wegereef und zeigte Lauth, ohne zu zögern, die Rote Karte. Die Fernsehbilder machten indes deutlich, dass Lauth mit ausgestreckten Armen gesprungen war und Schirkow so gut wie gar nicht im Gesicht berührt hatte. „Jedesmal ein Spiel mit zehn Mann zu beenden, das tut schon weh“, sagte Doll. Der HSV hat bereits fünf Platzverweise in dieser Saison hinnehmen müssen: zwei in der Champions League, drei in der Bundesliga.

Thomas Doll war für das Spiel in Moskau auf Nummer sicher gegangen. Er ließ Piotr Trochowski, den Mann für den Platz hinter den beiden Spitzen, zunächst auf der Bank, dafür baute er mit Raphael Wicky zusammen mit Nigel de Jong vor die Viererabwehrkette eine Doppelbremse für die Moskauer Angreifer. Das Konzept ging klar auf Kosten der Offensive. Nicht einen einzigen ernsthaften Torschuss verzeichnete der HSV in der ersten Halbzeit. „Wir müssen noch etwas drauflegen“, analysierte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer zur Pause.

Die Moskauer ihrerseits brachten ebenfalls kein konstruktives Angriffsspiel zustande. Ivica Olic, früher auch mal Profi bei Hertha BSC, besaß noch die beste Chance, als er nach einer knappen Viertelstunde am Rande des Fünfmeterraums mit dem Ball am Fuß relativ ungestört herumwuselte und aus der Drehung plötzlich schoss. Stefan Wächter, der im HSV-Tor den nach seiner Roten Karte gegen den FC Arsenal gesperrten Sascha Kirschstein sehr ordentlich vertrat, rettete reaktionsschnell mit dem rechten Fuß.

Nicht einmal Juan Pablo Sorin, der beim 1:1 gegen Werder Bremen am Samstag noch ein starkes Debüt gegeben hatte, konnte der HSV-Offensive die nötigen Impulse geben. Der Argentinier wirkte müde, er wurde nach 69 Minuten ausgewechselt.

Null Punkte, 1:3 Tore, der letzte Platz in der Gruppe – so hatte sich der HSV den Auftakt in der Champions League nicht vorgestellt. Doll gibt indes Durchhalteparolen aus. „Noch ist alles drin. Warum sollen wir nicht bis zum Schluss hoffen?“, sagte der Trainer. Tsp

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