Sport : Harmonie auf St. Pauli

Der etwas andere Klub beendet seine Schlammschlachten

Raim,Witkop

Hamburg. Selbst der Ehrenrat kommt langsam ins Grübeln. Der FC St. Pauli – ist das wirklich noch der etwas andere Klub? „Wir sind auf dem besten Wege, uns nicht mehr von anderen Bundesligavereinen zu unterscheiden“, sagte das betagte Ehrenratsmitglied Manfred Heinzinger zu Beginn der Mitgliederversammlung im Hamburger Congress Centrum. Eine Tendenz, die für ihn einen „absoluten Tiefpunkt“ markiert, aus einer distanzierten Perspektive aber vielleicht gar nicht so übel wäre. Schließlich ging es um Teil zwei einer Versammlung, deren erste Auflage unter Tumulten und Beschimpfungen abgebrochen werden musste.

Am Ende waren sie doch wieder ziemlich anders beim Bundesligaabsteiger, der auch in der Zweiten Liga unter Abstiegsängsten leidet. Zu erleben war nämlich die wundersame Wandlung eines erbittert zerstrittenen Klubs in eine frisch geeinte Schar hoffnungsfroher St. Paulianer: ein beachtliches Resultat nach einer öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht, in der zwei verfeindete Lager jeweils verschiedene Medien munitioniert hatten. Die Vorwürfe waren heftig: Aufsichtsrat Peter Paulick, Sohn des früheren Präsidenten Otto Paulick, soll Amt und finanzielle Interessen verquickt haben. Vizepräsident Stephan Beutel wurden gar Geschäfte mit einem Waffenhändler vorgeworfen.

Es war Beutel, der mit Ausstrahlung und rhetorischem Geschick die Versammlung förmlich umdrehte: der angebliche Waffenhändler habe nur als unerkannter Freund des Nigerianers Adamu mit am Tisch gesessen, der Rest waren Appelle an Einigkeit und Zuversicht. Ein K.-o.-Sieg für Beutel: Paulick wurde aus dem Aufsichtsrat gewählt. Im noch amtierenden Präsidium um den zum Jahresende zurückgetretenen Reenald Koch sind die Gräben aber unverändert tief. Anfang 2003 muss der neue Aufsichtsrat einen neuen Präsidenten vorschlagen.

Die harmonisierte St. Pauli-Nacht endete mit einer Resolution gegen die Räumung eines Bauwagencamps in Altona. Zu den Leidtragenden der Polizeieinsätze gehörten auch einige Mitglieder – so anders ist der Verein also immer noch.

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