Sport : Harte Zeiten

Weil ihnen nur noch zwei Wochen bis zum Rückrundenstart bleiben, müssen Herthas Profis ein intensives Programm bewältigen

Stefan Hermanns

Berlin - Der aktuelle Trainingsplan für die kommenden acht Tage könnte den Profis von Hertha BSC eine ganz neue Erfahrung bringen: Der Montag nächster Woche ist frei. Es wird für die Berliner der erste und vermutlich auch der einzige freie Tag in der Vorbereitung auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga sein. „So ist es geplant“, sagt Herthas Trainer Falko Götz. „Aber so muss es nicht sein. Wir haben ja noch zwei Spiele dazwischen.“ Gegen den RSC Anderlecht (Mittwoch) und Twente Enschede (Samstag) haben die Spieler in dieser Woche also zwei weitere Gelegenheiten, sich das Wohlwollen ihres Trainers zu verscherzen, so wie sie es am Freitag bei der 1:3-Niederlage im Testspiel gegen Zweitligist Energie Cottbus getan haben.

„Es entscheidet die Leistung“, sagt Falko Götz. Während seiner Zeit als Cheftrainer bei 1860 München hat er sich noch als oberster Nachwuchsförderer der Bundesliga zu positionieren versucht. Jetzt, in Berlin, profiliert er sich als entschiedener Verfechter des Leistungsprinzips. Die Vorbereitung auf die Rückrunde ist ein permanentes Ausscheidungsverfahren um die elf Plätze in der Stammformation. Allerdings ist es kein Geheimnis, „dass sich schon ein gewisses Gerüst über die Leistungen in der Vorrunde herauskristallisiert hat“, sagt Götz. Die Mannschaft, die vor der Winterpause siebenmal hintereinander ungeschlagen geblieben und bis auf Platz sechs der Tabelle vorgerückt ist, besitzt einen gewissen Bonus gegenüber den Herausforderern.

Das Testspiel in Cottbus und die Darbietungen der bisherigen Ersatzspieler haben dieses Gerüst nicht ernsthaft ins Wanken bringen können. Im Training aber gebe es den einen oder anderen Spieler, „der sich sehr aufdrängt“, sagt Herthas Trainer. „Ich bin mit der Mitarbeit bisher sehr zufrieden.“ Auch am Sonntag haben die Berliner intensiv trainiert. „Ich habe mich unheimlich gefreut, wie das Trainingsspiel abgelaufen ist. Es war aber auch sehr clever vom Trainer, dass er Alt gegen Jung hat spielen lassen“, sagt Götz mit ironischem Ton. In solchen Duellen sind Niederlagen besonders schmerzlich.

Die Boulevardzeitung „BZ“ hat in der vergangenen Woche bereits „die härteste Vorbereitung aller Zeiten“ ausgerufen und den Vereinsnamen in „Härter BSC“ umgewandelt. „Die Belastung ist schon enorm“, sagt Mittelfeldspieler Andreas Neuendorf, „aber das liegt auch daran, dass die Vorbereitungszeit so kurz ist.“ Wer einmal drei oder vier Tage verletzt ausfalle, werde Schwierigkeiten bekommen, den Rückstand aufzuholen. Nur drei Wochen liegen zwischen dem ersten Trainingstag des Jahres und dem ersten Bundesligaspiel beim VfL Bochum. Drei Vereine – Hannover 96, der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach – haben daher schon vor dem Jahreswechsel ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Herthas Profis trainieren zurzeit in der Regel dreimal am Tag. Meistens beginnen sie morgens um acht mit einem Waldlauf auf dem Teufelsberg, nach einem gemeinsamen Frühstück folgen am Vormittag und am Nachmittag zwei reguläre Trainingseinheiten, in denen Götz die Spieler viel mit dem Ball arbeiten lässt. Das taktische Verhalten der Mannschaft, eine ihrer Stärken in der Vorrunde, soll auf diese Weise noch weiter verbessert werden.

Herthas Trainer erwartet von seinen Spielern aber auch, dass sie sich in ihrem reduzierten Privatleben professionell verhalten: „Da ist im Augenblick Ruhe angesagt: Füße hoch und viel schlafen.“ Angesichts des intensiven Trainingsprogramms muss Götz darauf aber nicht gesondert hinweisen. Andreas Neuendorf sagt: „Wer das nicht befolgt, bestraft sich selbst.“

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