Sport : Harte Zeiten

Sven Goldmann

über die Kultur der englischen Woche Heute beginnt die erste englische Woche der Fußball-Bundesliga. Engländern muss man in diesem Zusammenhang immer erst erklären, dass hierzulande eine Woche zur englischen wird, wenn nicht nur an Wochenenden gespielt wird, sondern auch noch mittendrin. Die Engländer sind harte Jungs, und in ihrer großen Liga mit ihrer unübersichtlichen Zahl von Pokalwettbewerben können sie gar nicht anders, als das ganze Jahr über alle zwei, drei Tage zu spielen. Niemand empfindet das als Zumutung und käme darauf, einen eigenen Begriff dafür zu erfinden. Spiele machen mehr Spaß als Training, und wenn dafür auch noch Prämien gezahlt werden und jede Menge Zuschauer kommen – so what?

In Deutschland wird das ein wenig enger gesehen, etwa beim Hamburger SV, der am Donnerstag im Uefa-Cup gegen den FC Kopenhagen spielte und zwei Tage später in der Bundesliga nur ein 1:1 gegen Aufsteiger Frankfurt schaffte. Trainer Thomas Doll erklärte das mit den unerträglichen Strapazen der englischen Woche und führte zur Untermauerung den späten Frankfurter Ausgleich an, verursacht durch eine gemeinschaftliche Fehlproduktion der erschöpften Hamburger Wächter, Barbarez und Ziegler. Nun hatte aber Barbarez gegen Kopenhagen gar nicht mitgespielt, Ziegler war drei Minuten vor Schluss eingewechselt worden und der Aufwand von Torhüter Wächter hielt sich gegen die defensiven Dänen in zumutbaren Grenzen. Für diese Furcht vor den Banalitäten des Alltags gibt es im englischen Sprachschatz noch keinen Begriff. Wie wäre es mit der bisher allein politisch besetzten German Angst?

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