Sport : Hauptsache Fußball

Die Italiener wollen nach der Randale wieder spielen

V. Delle Donne/I. Schmidt-Tychsen

Rom/Berlin - Nach den Krawallen am vergangenen Freitag während und nach einem Spiel der italienischen Serie A, bei denen der Polizist Filippo Raciti getötet wurde, wird höchstwahrscheinlich schon am kommenden Wochenende wieder Fußball gespielt. Es mehren sich die Stimmen derer, die für eine komplette Wiederaufnahme des Spielbetriebes der italienischen Profiligen plädieren. Die Lobby der italienischen Vereinspräsidenten, die in der „Lega Calcio“ organisiert sind, übt großen Druck auf den Fußballverband aus. „Wir müssen bereits am kommenden Sonntag wieder regulär spielen, und zwar alle Klubs und mit den Zuschauern“, forderte stellvertretend Palermo-Präsident Maurizio Zamparini. Zu groß sei der wirtschaftliche Schaden, der durch eine Absage der Spiele verursacht würde.

Die am Montagabend auf dem Gipfeltreffen mit dem Fußballverband und dem Nationalen Olympischen Komitee in Rom beschlossenen Verschärfungen der Vorschriften sollen unterdessen als Gesetzesdekrete verabschiedet und sofort wirksam werden. „Ein toter Polizist löscht auch den WM-Sieg aus“, sagte Gianni Petrucci, Chef des Nationalen Olympischen Komitees. Von sofort an könnte potenziellen Randalierern der Zutritt zu Stadien von vornherein verwehrt werden.

Ob, wann und wie der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, entscheidet die italienische Regierung am heutigen Mittwoch. Die Mehrheit der Stadien erfüllt noch immer nicht die von der Regierung geforderten Sicherheitsstandards. Das Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft am Mittwoch wurde bereits abgesagt. Wie es mit den internationalen Spielen der italienischen Vereinsmannschaften weitergeht, ist noch ungeklärt.

Am 21. Februar soll Inter Mailand zu Hause in der Champions League gegen den FC Valencia spielen, am selben Tag erwartet der AS Rom das Team Olympique Lyon. Im Uefa-Cup spielt der AC Parma einen Tag später gegen Sporting Braga. Beim europäischen Fußballverband Uefa wollte sich gestern niemand zu dem Thema äußern. Andreas Herren, Sprecher des Weltverbandes Fifa, sagte: „Diese Vorfälle sind sehr bedauerlich. Wir hoffen, dass die Italiener eine langfristige Lösung finden.“ Das nächste Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft für die Europameisterschaft 2008 ist am 28. März. Diese Spiele seien „das Letzte, womit wir uns jetzt beschäftigen“, sagte ein Sprecher des italienischen Fußballverbandes. Fifa-Chef Joseph Blatter versicherte den Italienern auf der Internetseite der Fifa seine „volle Unterstützung bei der Bekämpfung der Gewaltspirale.“ Er hoffe auf ein konkretes und wirksames Ergebnis der Beratungen in Italien.

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