Sport : Heiko Herrlich: Bundesliga unter Schock

Eine Gehirntumor-Erkrankung von Borussia Dortmunds Stürmers Heiko Herrlich hat den deutschen Fußball erschüttert. Bei dem 28-Jährigen, in dieser Saison schon sieben Mal für Dortmund erfolgreich, wurde ein Geschwür im Mittelhirn festgestellt. Herrlich wird für unbestimmte Zeit ausfallen. Noch keine Entscheidung ist darüber gefallen, ob tatsächlich eine Operation vorgenommen werden muss oder eine andere Therapieform - Bestrahlung etwa - angewendet werden kann. Dies hängt auch davon ab, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist.

"Wir sind sehr betroffen. Die Entwicklung zeigt, dass es Wichtigeres als Spielergebnisse und Tabellensituationen gibt. Allerdings haben uns die Mediziner die Hoffnung gegeben, dass Heiko Herrlich völlig wiederhergestellt werden und seinen Beruf als Fußballer weiter ausüben kann", sagte Vereinspräsident Gerd Niebaum. Er gab auch eine Aussage von Herrlich wieder: "Heiko hat die Mannschaft aufgefordert, sich von seiner Krankheit nicht schocken zu lassen. Sie soll in den nächsten Wochen und Monaten für ihn spielen."

Auch im Kreis der Nationalmannschaft war Herrlichs Erkrankung Gesprächsthema Nummer eins. "Diese Nachricht hat uns schockiert. Das sind Dinge, dagegen sind die Ausfälle bei der Nationalmannschaft nur Kleinigkeiten und überhaupt nicht vergleichbar", sagte Teamchef Rudi Völler vor dem Abflug der Nationalmannschaft zum Länderspiel nach Dänemark.

Wegen akuter Sehstörungen hatte der fünfmalige Nationalstürmer Herrlich am vergangenen Freitag gegen Hertha BSC nicht mitwirken können. Bei den daraufhin eingeleiteten Untersuchungen war der Tumor im Mittelhirn festgestellt worden. Dortmunds Cheftrainer Matthias Sammer bat um Verständnis, dass er zurzeit keine Stellungnahme abgeben könne und den Kopf erst frei bekommen müsse. "Jetzt muss sich Heiko vor allem selbst helfen. Das Wichtigste ist, dass er positiv denkt und den Kampf gegen die Krankheit aufnimmt. Ich bin überzeugt: Er kommt wieder", sagte Mittelfeldspieler Miroslav Stevic.

Vereinsarzt Michael Preuhs informierte das Präsidium und die Spieler des Vereins über das Ergebnis der Untersuchung. "Man kann sich ungefähr vorstellen, was jetzt in einem solchen Menschen vorgeht. Sportler haben aber immer Hoffnung auf Besserung", sagte Dortmunds Manager Michael Meier.

Der Vertrag von Herrlich, der 1995 für 11,5 Millionen Mark Ablöse von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund gewechselt war, läuft am Ende der Saison aus. Die Dortmunder Borussia hatte sich sich zuletzt verstärkt um eine Verlängerung bemüht. Allerdings buhlte auch Ligakonkurrent Bayer Leverkusen, von 1989 bis 1993 bereits Arbeitgeber des Stürmers, um die Gunst Herrlichs. Dieser erzielte in bislang 243 Bundesligaspielen 75 Tore.

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