Sport : Heiliger Schiedsrichter

Friedhard Teuffel

über die sportliche Botschaft von Papst Benedikt XVI. Sport im Vatikan, das war früher so: Johannes Paul II. empfing gerne die Sportgrößen der Welt zu einer Privataudienz. Michael Schumacher gehörte zu den Auserwählten und Dariusz Michalczewski. Davon gab es immer hübsche Bilder, die um die ganze Welt gingen. Außerdem war der Papst Mitglied in verschiedenen Fußballklubs, etwa beim FC Schalke 04. Mit so viel Begeisterung für das Leibliche schien es vorbei zu sein, als Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde. Denn der verkopfte Joseph Ratzinger wirkte nicht gerade sportlich.

Gestern passierte nun dies: Benedikt XVI. ließ auf dem Petersplatz Fußball spielen, Jugendliche aus 16 Ländern waren dabei. Es war eine Generalaudienz mit 26 000 Gläubigen, also mehr, als Zuschauer im Stadion von Bayer Leverkusen Platz finden. Der Sport sei „ein wichtiges Erziehungsmittel und ein Weg zur Verbreitung wichtiger menschlicher und spiritueller Werte“, sagte Benedikt XVI. Vielleicht hat der Papst dem Sport damit mehr Anerkennung entgegengebracht, als wenn er sich bei einigen Fußballspielen auf die Tribüne gesetzt hätte. Spirituelle Werte zu transportieren, das ist schließlich schon ein kleiner Segen für den Sport. „Der Sport soll zum Aufbau einer Gesellschaft beitragen, in der Respekt, Loyalität und Solidarität zwischen den Völkern und den Kulturen herrschen“, hat der Papst noch gesagt und dafür Respekt vor den Regeln gefordert. Statt der Begeisterung für die Größten des Sports also Anerkennung für den Breitensport – gut, dass der Sport für den Papst keine Privatsache ist.

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