Sport : Heimlicher Held

Bei Fernando Alonsos Sieg in Malaysia fährt Nick Heidfeld auf Platz drei – weit vor dem wieder enttäuschenden Michael Schumacher, der erst als Siebter ins Ziel kommt

Karin Sturm[Sepang]

Es war unerträglich heiß, die Hauptpersonen wirkten dehydriert und überglücklich. Gerade war der Große Preis von Malaysia zu Ende gegangen, und die drei Herren auf dem Siegerpodest verarbeiteten die vorausgegangen eineinhalb Stunden, die für jeden von ihnen erfreuliche Folgen hatten. Fernando Alonso feierte den zweiten Sieg seiner Karriere und den zweiten seines Renault-Teams in dieser Saison. Jarno Trulli auf Platz zwei hatte für Toyota den ersten, zu diesem Zeitpunkt nie erwarteten Podiumsplatz in der Teamgeschichte geholt. Und als Dritter stand ein freudestrahlender Nick Heidfeld auf dem Treppchen. Er war der heimliche Held des Rennens.

Heidfeld war von den drei Fahrern auf dem Podest noch der fitteste, obwohl er den härtesten Part hinter sich hatte. Nicht nur, dass er nach einem Fehler im zweiten Qualifying von Startplatz zehn aus losgefahren war – der Mönchengladbacher im BMW-Williams hatte auch praktisch das ganze Rennen über nichts zu trinken: „Ab der vierten Runde stimmte etwas mit meiner Trinkflasche nicht mehr, da kam nichts mehr raus.“

Nach dem Patzer im Qualifying war Heidfeld noch sehr geknickt gewesen, „da hätte ich nie gedacht, dass da noch ein Podestplatz für mich drin wäre“. Doch ein guter Start brachte ihn schon an den beiden Red-Bull-Autos vorbei, „was schon mal sehr wichtig war“. Es folgten spannende Duelle mit seinem Teamkollegen Mark Webber und Ralf Schumacher im zweiten Toyota, „in denen Nick einerseits viel Augenmaß, andererseits aber auch Durchsetzungsvermögen bewiesen hat“, lobte BMW-Motorsportchef Mario Theissen. „Es war das aufregendste Rennen meiner Karriere“, sagte Heidfeld, und es war wohl auch sein bestes Rennen, noch höher einzuschätzen als sein bisher einziger Podestplatz, Rang drei im Regen in Brasilien 2001, im Sauber.

Riesig war in Sepang auch der Jubel in der Toyota-Box über den zweiten Platz von Jarno Trulli. Das war die absolute Sensation des Rennens, kaum jemand hatte daran geglaubt, dass die Reifen am Toyota halten würden. Technik-Chef Mike Gascoyne lobte allerdings auch die Leistung von Ralf Schumacher, der Fünfter wurde: „Die ganze Aerodynamik war beim Teufel, dadurch bekam er auch massive Reifenprobleme, zum Teil war der Reifen bis auf die Karkasse durch. Es war sensationell, dass er das Auto überhaupt ins Ziel bringen konnte.“

Dagegen erlebte Ralfs Bruder Michael nach Australien schon das zweite Debakel in Folge. Von Startplatz 13 aus holte der Weltmeister als Siebter mit viel Mühe gerade noch zwei Punkte. Die Hoffnung, dass der alte Ferrari im Rennen konkurrenzfähig sein würde, bestätigte sich nicht. Ein bis drei Sekunden pro Runde verlor Schumacher auf die Spitze. Drei Tage lang wird er nun zusammen mit seinem Teamkollegen Rubens Barrichello in Mugello den neuen Ferrari 2005 testen. Danach soll dann entschieden werden, ob er schon beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Bahrain zum Einsatz kommen kann.

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