Sport : Heimspiel für Zwei

Gut 10 000 Dresdner Fans werden in Berlin erwartet.

Nicolas Diekmann
Hitzige Atmosphäre. Fans von Dresden beim DFB-Pokal-Spiel in Dortmund. Foto: dpa
Hitzige Atmosphäre. Fans von Dresden beim DFB-Pokal-Spiel in Dortmund. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Exakt 200 Kilometer liegen zwischen dem Berliner Olympiastadion und der Spielstätte von Dynamo Dresden. Durch den Abstieg von Hertha BSC in die Zweite Liga sind beide Vereine nun auch tabellarisch näher zusammengerückt: Erstmals in ihrer Geschichte treffen diese Mannschaften am Mittwoch (17.30 Uhr, live bei Sky) aufeinander. Dabei will Dresden aus der Auswärtsfahrt nach Berlin ein Heimspiel machen, bereits 10 000 Karten sind an Dynamo-Fans verkauft worden. Torsten Rudolph, Geschäftsführer vom „Fanprojekt Dresden“, erklärt den Ansturm so: „Die Fanszene Dresdens hat sich einen Spaß daraus gemacht, große Stadien verbal zu dominieren, außerdem ist es eine neue Spielstätte und sie liegt nicht weit weg.“ Es würden noch viel mehr Fans mitfahren, wäre das Spiel am Wochenende, ergänzt Rudolph. Der Fanbeauftragte des Vereins, Marek Lange, fügt hinzu: „Aufgrund der Nähe hat das Spiel fast schon Derby-Charakter.“

In Berlin herrscht dennoch keine ungetrübte Vorfreude – trotz einer für ein Mittwochspiel ansprechenden Kulisse, denn auch die Hertha-Anhänger werden zahlreich erscheinen. Insgesamt wurden bereits 39 000 Karten abgesetzt. Doch gelten Teile der Fanszene Dresdens als gewaltbereit. Zuletzt wurde bundesweit über Dresdner Anhänger berichtet, als das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund in der letzten Saison zweimal wegen massivem Einsatz von Feuerwerkskörpern unterbrochen werden musste; im Umfeld der Partie gab es Ausschreitungen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppierungen sollen nun unbedingt vermieden werden. Daher sei das Spiel als „sicherheitsrelevant“ eingeschätzt worden, wie Hertha mitteilte. Die Anhänger beider Mannschaften sollen nach Möglichkeit nicht aufeinander treffen: Dresdner Fans können bereits ab 12 Uhr das Olympiastadion über das Südtor betreten. Ab 15.30 Uhr ist dann das Osttor für die Berliner und Brandenburger geöffnet. Zudem wird nicht nur im Stadion, sondern auch in den umliegenden Gaststätten nur Bier bis zu drei Prozent Alkoholgehalt ausgeschenkt werden. Auch das Polizeiaufgebot wird im Vergleich zu anderen Ligaspielen etwas erhöht, 500 Beamte werden ab 12.30 Uhr eingesetzt, sagte die Berliner Polizeigewerkschaft dem Tagesspiegel. „Zwar gehen wir von keinem extrem entspannten Spiel aus, aber Angst braucht auch niemand zu haben“, sagt Fanbetreuer Lange. „Gerade weil die Mannschaften noch nie gegeneinander gespielt haben, ist die Rivalität nicht so groß.“

Allerdings finden sich in der Fußball-Historie einige Spiele Dynamo Dresdens gegen Hertha, zumindest gegen die zweite Mannschaft. Immer wieder kam es dabei in Berlin zu antisemitischen Beschimpfungen der Dresdner Fans und im Anschluss an die Spiele zu gewalttätigen Auseinandersetzungen durch Anhänger beider Vereine. So auch 2006, als bei Krawallen zwischen den Fangruppierungen 38 Personen, davon 23 Polizisten, verletzt und 22 Personen festgenommen wurden. Fanbetreuer Rudolph sieht seither aber eine positive Entwicklung: „Es gibt kaum noch Dresdner Fans, die ausschließlich zu Auswärtsspielen reisen, um zu randalieren. Gemeinsam mit der Fanszene haben wir viel getan zur Gewaltprävention und gegen Rassismus.“ Inwieweit sich das auszahlt, so Rudolph, werde sich in den „Wochen der Wahrheit“ zeigen: Nach dem Spiel in Berlin kommt Aue nach Dresden, eine Woche später geht es zum 1. FC Köln. „Was mögliche Ausschreitungen angeht, sind das knifflige Spiele.“

Auch sportlich könnten es die Wochen der Wahrheit für Dresden werden, denn die Saison läuft bisher durchwachsen. Dresden liegt auf Rang 13, zuletzt verlor Dynamo am Sonntag sein Heimspiel gegen Ingolstadt 0:1. Doch ist Dresden auswärtsstark: Vier ihrer bisher fünf Punkte holten die Sachsen auswärts. Vielleicht spielt es Hertha also in die Karten, dass Dresden aus dem Spiel ein Heimspiel machen will. Nicolas Diekmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben