Sport : Hektische Langeweile

Die Schweiz erkämpft sich gegen Kroatien ein 0:0

Martin Hägele[Leiria]

Nach dem Abpfiff jubelten die 24 000 Zuschauer. Nur, wem galt der Beifall? Wohl nur ihnen selbst, weil sie so tapfer ausgeharrt hatten bis zum letzten Foul und dem letzten von vielen Fehlpässen. Und Applaus brandete erstaunlicherweise auch auf, als Torwart Jörg Stiel als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Irgendeiner muss die Trophäe des Sponsors ja mit nach Hause nehmen. Obwohl es sich geschickt hätte, nach einem solchen Kick auf jegliche Ehrung zu verzichten. Ganz einfach aus Respekt vor einem Turnier, an welchem die sechzehn besten Fußball-Nationen Europas beteiligt sind.

Nach ihrem 0:0 können weder Kroaten noch Schweizer ernsthaft auf das Erreichen des Viertelfinales hoffen. Mehr als Platz drei der Vorrunden-Gruppe B dürfte angesichts der starken Konkurrenz von England und Frankreich für keinen drin sein. Denn die 90 Minuten im Stadion Magalhaes Pessoa in Leiria ließen sich allenfalls mit einer Bundesligapartie der unteren Kategorie vergleichen. Immerhin verdienen viele Akteure dieses Spiels ihr Geld in Deutschland bei Klubs, die in dieser Saison vorwiegend mit sportlichem Existenzkampf beschäftigt waren. Doch auch der prominenteste unter allen schweizerischen und kroatischen Profis brachte keinen Glanz ins Stadion von Leiria. Im Gegenteil: Dado Prso vom Champions-League-Finalisten AS Monaco fiel nur als Schauspieler auf. Schiedsrichter Lucilio Batista ahndete den Betrugsversuch des künftigen Spielers von Glasgow Rangers, einen Elfmeter zu schinden, mit der Gelben Karte, insgesamt neun Verwarnungen waren es am Ende.

Allerdings hatte auch der Schiedsrichter nicht seinen besten Tag erwischt und dadurch seinen Teil zu einem hektischen Spiel beigetragen. Vor allem die Gelb-Rote Karte gegen den Schweizer Johann Vogel war eine sehr harte Entscheidung. Immerhin reichte der Platzverweis des agilsten Schweizer Akteurs dafür aus, dass sich seine Landsleute wenigstens als moralischer Gewinner des Auftaktspiels fühlen konnten. Auch mit einem Mann mehr fanden die Kroaten keinen Weg zum Tor von Keeper Stiel.

Für die gefährlichste Szene sorgte Stiel selbst: Weit außerhalb seines Strafraums stehend wurde der Schweizer Keeper von einem Schuss aus 80 Metern von Milan Rapaic überrascht und bekam den Ball erst kurz vor der Torlinie zu fassen.

Nach dem Spiel suchten die Akteure nach Erklärungen für das bisher mit Abstand schwächste Spiel dieser Europameisterschaft. Der Schweizer Murat Yakin sagte, dass viele seiner Kollegen zum ersten Mal bei einer Veranstaltung dieser Kategorie mitmachten, während der kroatische Trainer Otto Baric, mit 71 Jahren der älteste dieses Turniers, die große Hitze als Ursache ausgemacht hatte. Den Zuschauern war das wenig Trost.

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