Sport : Henrik Larsson, Vollstrecker

Er schießt Tor um Tor auf schottischen Äckern – deshalb ist der Schwede nur in Glasgow ein Star

Wolfram Eilenberger

Ob ihm das Spaß macht? Mit rechts oder links, Volley oder per Hacke, oder darf es ein Kopfball sein? Nach Belieben schießt sich Henrik Larsson (Foto: ddp) im siebten Jahr durch Schottlands Liga und erzielte seither mehr als 200 Tore für Celtic Glasgow. Sprächen Zahlen für sich, der 32 Jahre alte Schwede wäre als einer der besten Stürmer aller Zeiten vorzustellen. So aber bleibt Larssons Karriere mit dem Makel behaftet, sich dem Verteidigungsdruck einer europäischen Spitzenliga entzogen zu haben.

Vom schwedischen Helsingborg über Rotterdams Feyenoord führte sein Weg in eine Liga, die aus zwei titelorientierten Fußballkonzernen sowie einem Rest ebenso übermotivierter wie chancenloser Spielgemeinschaften besteht. Da tanzt er dann auf roher Narbe, lässt einen übergewichtigen Grobmotoriker nach dem anderen im Regen stehen und wirkt dabei so entspannt wie ein Komiker, dem es nichts mehr ausmacht, seine Fans mit Witzen zu betören, die unter eigenem Niveau liegen. Wie ausgesucht fein dieses Niveau tatsächlich ist, darüber gewährt Larssons Europacup-Statistik Aufschluss. Seine Trefferquote liegt auch dort deutlich über 50 Prozent und damit in einer Gipfelzone, die sich Celtics Sturmidol nur mit Madrids Raúl, Manchesters van Nistelrooy und Mailands Inzaghi teilen muss.

Am besten lässt sich Larssons Klasse anhand all der Körperschäden beschreiben, mit denen Schottlands Abwehrrecken ihn bedachten. Waden-, Schienbein-, Rippen- und Kieferknochen wurden jeweils doppelt gebrochen. Dennoch blieb er ein kompletter Stürmer. Filigran in der Ballbehandlung, einfallsreich im Dribbling, federnd im Antritt und mit überragendem Kopfballtiming, zeichnet Larsson eine Vollstreckungskälte aus, die mit dem Wort Coolness unzureichend beschrieben ist. Noch immer verkörpert sein Fußball ein Gefühl unbesorgter, wegweisender Leichte.

Der Vorwurf, Larsson habe sein Talent auf Schottlands Äckern vergeudet, mag treffen. Doch wo andere Supertalente von ihren Fähigkeiten erdrückt werden, entschied er sich für das leichte Dasein eines Torschützenkönigs. Nach sieben Jahren Regenwetter zieht es den besten Celtic-Spieler aller Zeiten zum Saisonende, wie er angibt, „ins Warme“. Südländische Spitzenklubs locken ebenso wie das Urlaubsparadies Katar. Larssons weiterer Weg scheint also absehbar – wie das Champions-League-Schicksal des FC Bayern München im ausverkauften Celtic Park. Aber selbst wenn es der Schwede versäumen sollte, sich gegen die Münchner ein weiteres Mal unsterblich zu schießen, wir dürfen uns Henrik Larsson als glücklichen Fußballer vorstellen.

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